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Alte Stadtansichten Album 01

Ein offener Kanal der Lauter wurde 1720 durch diese Straße gebaut.

Sie erhielt 1879 den Namen “Kanalstraße”. Die Gebäude auf der rechten Seite runden das Ensemble um die Fischerstraße ab, das im Süden von der Bismarckstraße und im Norden von der Kanalstraße begrenzt wird. Die Gebäude auf der rechten Seite wurden 1926 fertig gestellt. Sie sind heute noch unverändert erhalten. Auf der linken Seite steht jetzt das Verwaltungsgebäude der AOK. Die Aufnahme aus dem Bau AG-Fotoarchiv wurde etwa 1927/28 gemacht. Auf dem Originalfoto ist im Hintergrund links ein französischer Besatzungssoldat mit seinem Fahrrad zu erkennen. Noch viele Jahre nach dem Bau der Häuser blieb auf Straßen und Bürgersteigen der Schotterbelag. Aus verkehrstechnischer Sicht bestand kein Grund, dies zu ändern

Franzosen fürchten Sabotage.

Diesen markanten Teil der Fischerstraße hat Stadtbaumeister Hermann Hussong in den Jahren 1922 bis 1926 erbaut. Die Aufnahme aus dem Bau AG-Fotoarchiv wurde 1928 gemacht. Zum Zeitpunkt der Aufnahme war der Block dunkelblau gestrichen, “quetschebloo“, wie die Lauterer sagten. Die Wohnanlage war für Offiziere der französischen Besatzung nach dem Ersten Weltkrieg vorgesehen. Die Franzosen zogen jedoch aus Angst vor Sabotage nicht ein. Die schmiedeeisernen Gitter und die Steinsäulen wurden 1936 von den Nazis entfernt. Den 20 Meter hohen Dachreiter, den „Maggi-Turm“ oder „Schirmständer“ rissen die Nazis 1939 ab, weil er angeblich den feindlichen Fliegern als Orientierungshilfe hätte dienen können. Der wahre Grund war jedoch die Aversion gegen Hussongs Baustil. Man erkennt, daß die Rasenflächen tiefer lagen als heute. Sie waren Rückhaltebecken für möglicherweise aus dem Kanal austretendes Wasser. Nach dem Bau der Anlage gab es Probleme mit dem Abwasser. Als die Rohre schon tief in der Erde lagen, erkannte man, daß der Querschnitt zu klein bemessen war - ein frühes Lauterer Bauskandälchen. Der Streit mit der ausführenden Firma zog sich über zwei Jahre hin. Der Kompromiß: Die Rohre blieben in der Erde, die Rasenflächen wurden tiefer gelegt.

Bauhausnachfolge in Kaiserslautern:

Die Ansicht zeigt rechts die Südseite des Rundbaus und links die Ostseite der Gebäude in der Königstraße, Ecke Roonstraße, im Sommer 1929. Wenn man die klaren, sachlichen Linien, noch ohne begrünte Umgebung und sozusagen auf freiem Feld mit den Augen eines Bürgers der Zwanziger Jahre betrachtet, dem die verspielten Fassaden der Innenstadt vertraut waren, versteht man, warum die Leute dem Bau dieser Wohnanlage äußerst kritisch gegenüberstanden. Der Denkmalschutz beschreibt den Rundbau als „avantgardistische Architektur der Weimarer Republik“ und als „Bauhausnachfolge in Kaiserslautern“. Die Bau AG-Wohnanlage wurde in Rekordzeit gebaut: Ausschreibung im März 1927, der Einzug der Mieter war im Oktober 1928 abgeschlossen. Der Rundbau mit seinem Langbau auf der Nordseite kostete eine Million Reichsmark. Die Pfälzische Volkszeitung hatte 1927 zu einem Ideenwettbewerb aufgerufen, um für das Bauwerk einen Namen zu finden. „Kolosseum“ kam dabei heraus, „Engelsburg“ und „Karussell“. Doch die Lauterer hatten sich „Rundbau“ ausgedacht - und blieben dabei.

In Kaiserslautern rauchen die Schlote:

von der Bayerischen Brauerei (links) über die Eisenwerke (etwa Bildmitte) bis zu Pfaff, wie diese private Luftaufnahme aus den Beständen des Stadtarchivs zeigt. Eine Dunst- und Qualmglocke hängt über der Stadt. Ein Zeichen für Arbeit und Wohlstand? Mit der Arbeit sah es 1935, als dieses Foto entstand, nicht mehr so schlecht aus, wie in den 20er Jahren, aber mit dem Wohlstand war es nicht weit her. Aus einer internen Notiz der Stadtverwaltung von Ende 1934, deren Veröffentlichung die Nazis nicht mehr zugelassen hatten, geht hervor: „84 Familien hausen in Wohnhütten, Notwohnungen und Gartenlauben, 213 Familien in Baracken, 70 in baufälligen Häusern, 35 in Notunterkünften.“ Die Ausstellungshallen im Vordergrund wurden 1925 gebaut. Der freie Platz rechts daneben war bis 1928 Kerweplatz. Das Kloster Mariaschutz trägt noch seine beiden spitzen Türme. Der Platz davor ist das Gelände des späteren Messeplatzes.

Fadenscheinig.

Die ehemalige Kaiserslauterer jüdische Gemeinde hat ihre Synagoge - eine der schönsten in Deutschland - im Februar 1886 eingeweiht. Am 9. Oktober 1938, also noch einen Monat vor der Reichspogromnacht, haben die Nazis die Synagoge gesprengt. Weil Kaiserslautern Gauhauptstadt werden sollte, wollten die Nationalsozialisten die Fischerstraße, die damalige Dr.-Frick-Straße für ihre Aufmärsche verbreitern. Unter diesem fadenscheinigen Vorwand zwangen die Lauterer Nazis die jüdische Gemeinde, ihre Synagoge an die Stadt zu verkaufen. Auf dem etwa im Spätsommer 1938 entstandenen Foto (möglicherweise von Peter Turgetto) aus dem Stadtarchiv sind im Vordergrund die beginnenden Straßenbauarbeiten zu erkennen. Der Haupteingang der Synagoge war in der Luisenstraße, im Bild auf der rechten Seite des Gebäudes.

Diese Stadtperspektive gibt es nicht mehr.

Die drei Häuser auf der Westseite der Goetheschule, Herzog-von-Weimar-Straße 2, 2a und 4, hat die Stadt im Jahr 1974 gekauft. Die Gebäude wurden umgehend abgerissen, um dem Schulsportplatz der Goetheschule Platz zu machen. Die Bau AG hatte diese Häuser 1936 bis 1938 gebaut. Sie gehörten zu den letzten Neubauprogrammen vor Beginn des Krieges. Die Aufnahme wurde im Winter kurz vor dem Abriß der drei Häuser gemacht.

Das Wohngebäude

St.-Marien-Platz 13 in Kaiserslautern wurde in den Jahren 1924/25 erbaut. Auf der Ecke Königstraße und Marienplatz steht ein hölzernes Verkehrsschild mit der Aufschrift „Pirmasens“ und „Deux-Ponts“, Zweibrücken. Der Gebäudekomplex ist noch erhalten. Die Aufnahme aus dem Bau AG-Archiv wurde im Sommer 1928, also während der Zeit der französischen Besatzung, gemacht. Die Franzosen zogen am 6. Dezember 1918 in die Stadt ein. Erst am 30. Juni 1930 verließen die letzten Truppenteile der Besatzung nach dem Ersten Weltkrieg Kaiserslautern. Straßen - Hinweisschilder, Sperrschilder und Verkehrsschilder waren in der Franzosenzeit der zwanziger Jahre oft zweisprachig.

Farbiges Kaiserslautern

hieß der Fassadenwettbewerb. Er war 1976 eine der Aktivitäten anläßlich des 700. Stadtjubiläums. Diese preisgekrönte Fassade konnten allerdings nur die Bewohner des Grünen Blocks Ecke Mannheimer/Altenwoogstraße bewundern. Sie befand sich im Innenhof der Wohnanlage. Diese intime Stadtansicht gibt es nicht mehr. Sie ist bei einer Fassadensanierung im Jahr 1999 untergegangen. Die Fassade wurde 1976 von der Künstlerin Linde Hollinger gestaltet.

Ausstellungspark an der Entersweilerstraße:

Die „Ausstellung“ mit ihren Messehallen und dem Park war größtenteils dort, wo heute der Volkspark ist. Am 5. Januar 1945 sind die von Hermann Hussong erbauten Hallen im Bombenhagel untergegangen. AM 21. September 1957, um 15.45 Uhr vollstreckte das Technische Hilfswerk Mit 252 Dynamitpatronen den Stadtratsbeschluß, die Hallen nicht wieder aufzubauen. Die Ruinen wurden gesprengt. Die drei weißen, hufeisenförmig angeordneten Hallen mit ihren klaren „Bauhaus-Linien“ prägten die Kulisse des am 1. August 1925 eröffneten Ausstellungsgeländes. Die Pfälzische Handwerkskammer beging 1925 ihr 25. Jubiläum, und das „Gewerbemuseum“, die heutige Pfalzgalerie, bestand 50 Jahre. Die Kammer veranstaltete eine Handwerks- und Gewebeschau. Aus diesem Grund wurde die Ausstellung“ gebaut. Ursprünglich waren „fliegende Bauten“, etwa Zelte, vorgesehen. Das Foto entstand im August 1925 kurz vor der Eröffnung.

Haupteingang Ausstellungspark:

Auf die letzte Minute wurde der Haupteingang zur „Ausstellung“ an der Entersweilerstraße fertig. Eröffnung war am 1. August 1925. Noch vier Wochen vorher waren die Kassenhäuschen Im Rohbau. Am Eröffnungstag standen Livrierte in weißen Hosen, Polizei und Feuerwehr für den Empfang der Gäste bereit. Die Aufnahme entstand von der Parkinnenseite zur Straße hin. Dieser Eingang wurde später zum beliebten Treffpunkt für einen Parkbummel. „Haupteingang Ausstellung“, das war eine Lauterer Adresse wie die Marienstatue in München. Im Hintergrund auf der Entersweilerstraße erkennt man zwei Nobelkarossen mit Weißwandreifen. Die private Aufnahme ist im Besitz des Stadtarchivs.

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