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Alte Stadtansichten Album 13

Die Waldstraße im Jahr 1912.

Bild121Vom Kotten tauchen immer wieder Fotografien aus Privatbesitz auf, die vor 80 oder 90 Jahren gemacht worden sind. Von keinem anderen Stadtquartier, wie beispielsweise von der Krimm, dem Bahnheim oder dem Engelshof gibt es so viele Fotos wie vom Kotten. Diese etwas unscharf geratene Aufnahme der Waldstraße mit Blick zur Kottenschule stammt aus dem Jahr 1912. Die vielen Schornsteine auf dem Schulhaus und die Dachständer zur Stromversorgung sind abgebaut, und der Baum im Schulhof hat längst das Dach erreicht. Die Straßenkulisse hat sich nach dem Zweiten Weltkrieg im Detail erheblich verändert. Es wurde wieder aufgebaut, umgebaut und aufgestockt. An dieser Aufnahme im Vergleich mit der heutigen Bebauung läßt sich ein Stück Stadtentwicklung ablesen: Weil der Kotten größtenteils zerstört war, gab es nach dem Krieg bei weitsichtigen Planern des Wiederaufbaus Überlegungen, das ganze Wohngebiet mit seiner Grundstücksaufteilung aus dem Jahr 1834 neu zu ordnen. Freiflächen, Grün und breitere Straßen waren im Gespräch. Die meisten Hausbesitzer (Trümmer-Grundstücksbesitzer) waren allerdings dagegen. Sie wollten ihre Grundstücke in alter Größe behalten. Diese Tatsache machte sich die Kaiserslauterer SPD zu Nutze, was sich in Erfolgen bei den Kommunalwahl widerspiegelte. Der gleiche Effekt war in der völlig zerstörten Fackelstraße eingetreten. Die Planer wollten die Straße aufweiten. Die SPD sicherte hingegen allen wieder die alten Grundstücksgrößen zu. Nach dem Wiederaufbau sagten die Leute, sie SPD habe die Partnachklamm in die Stadt gebaut.

Die Schützenstraße.

Bild122Ein Kotten-Detail aus dem Jahr 1936, das heute nur schwer auszumachen ist. Die Straßenführung ist noch erhalten, die Häuser wurden beim September-Angriff 1944 zerstört. Heute hat sich das Straßenbild völlig verändert. Nur mit Hilfe eines Kotten-Ureinwohners konnte die Position des Fotografen ausfindig gemacht werden: Er stand Ecke Schützenstraße/Pfründnerstraße mit Blickrichtung Schusterstraße. Das Foto aus dem Stadtarchiv vermittelt etwas Kotten-Kolorit, wie es wieder in diesem beliebten innerstädtischen Wohnviertel entstanden ist. Die Schützenstraße erhielt bereits 1836 ihren Namen nach dem dort wohnenden Feldschützen Anton Heuser. Die Pfründnerstraße war bis 1897 die Hospitalgasse, die an das 1834 erbaute Hospital erinnerte, in dem die alten Pfründner auf Stadtkosten verpflegt wurden. Die Schusterstraße wurde nach dem Schuster Peter Zundel benannt. Die Vermessung des Kottenfelds zum Zweck der Bebauung wurde 1834 begonnen.

In diesem Haus wurde Stadtgeschichte geschrieben.

Bild123Die mit Stahlstichel überarbeitete Fotografie aus dem Jahr 1910 zeigt das Haus Luitpoldstraße 58, die Gaststätte Rheinischer Hof. Das Gebäude in der heutigen Rudolf-Breitscheid-Straße ist stilgerecht restauriert, und es fällt nicht schwer, sich die damalige Fassade vorzustellen. Nur geringe Veränderungen wurden im Laufe der Zeit an der äußeren Erscheinungsform des Hauses vorgenommen. In unmittelbarer Nähe schlug im Ersten Weltkrieg eine Bombe ein, die kaum Schaden anrichtete. Am 27. Dezember 1920 löste sich im Sälchen dieser Gaststätte die Baugenossenschaft zur Errichtung von Kleinwohnungen GmbH auf und ermöglichte so die Gründung der Bau AG am 6. Juli 1921. Ein Viertel der 445 Mitglieder der Genossenschaft war gekommen, um sich die von Oberbürgermeister Franz Xaver Baumann und Stadtbaumeister Hermann Hussong vorgetragenen Argumente anzuhören, warum es besser sei, eine große Lösung, eine Aktiengesellschaft, zu wählen, um dem sozialen Wohnungsbau in Kaiserslautern eine Zukunft zu geben. Und noch etwas Stadtgeschichte haftet an diesem Haus: Bis September 1950 war das Pfalztheater im Nachbarhaus, im damaligen Capitol-Kino, untergebracht. Wo ging man nach der Vorstellung hin? Auf einen Wein in den Rheinischen Hof, wo es immer Gelegenheit gab, sich mit den Künstlern des Pfalztheaters zu unterhalten.

Gesprengte Synagoge.

Bild124Am 9. Oktober 1938, also noch einen Monat vor der Reichspogromnacht, hat die Nazibande die Kaiserslauterer Synagoge gesprengt. Diese private Aufnahme wurde einige Tage nach der Sprengung heimlich von einem Fenster der heutigen Volksbank aus gemacht. Fotografieren derartiger Aktionen war bei Strafe verboten. Im Vordergrund links stand das Haus der Buchdruckerei Berg. Das Umfeld im mittleren Hintergrund, unter anderem mit den Bau-AG-Wohnanlagen in der Wilhelmstraße, ist noch erhalten. Im Bereich der kleineren Häuser rechts auf dem heutigen Synagogenplatz steht jetzt das Kulturamt. Das Nordportal der jüdischen Synagoge auf der Fischerstraßen-Seite hielt dem ersten Sprengversuch Stand. Auf demselben Platz steht heute die Nachbildung dieses Portals. Der Haupteingang der Synagoge war auf der Westseite in Richtung Stiftsplatz hin. Die ehemalige Kaiserslauterer jüdische Gemeinde hat ihre Synagoge im Februar 1886 eingeweiht. Die Kaiserslauterer Synagoge galt als eine der schönsten in Deutschland.

Das Gewerbemuseum.

Bild125Dieses Foto kann man auf den Tag datieren. Es wurde am 1. Juni 1905 vor der heutigen Pfalzgalerie aufgenommen. Die offizielle Eröffnung der 4. Pfälzischen Gewerbe- und Industrieausstellung war auf den Treppen vor dem damaligen Gewerbemuseum. Die Ausstellung war in den Räumen und außen aufgebaut. Nach teilweiser Zerstörung und Wiederaufbau ist die Fassade des Gebäudes unwesentlich verändert. Rechts steht das Turnerheim, das am 7. Januar 1944 bei einem Luftangriff größtenteils zerstört und 1950 ohne den Festsaal wieder aufgebaut wurde. Der etwa 25 Meter hohe Turm aus Holz wurde anläßlich der Ausstellung gebaut und später wieder demontiert. Am rechten unteren Bildrand begrüßen die Ehrenjungfrauen den Prinzregenten Ludwig von Bayern, der die Ausstellung eröffnete.

Franzosen in der Altenwoogstraße.

Bild127Französischer Nationalfeiertag, 14. Juli 1921. Die Franzosen machen eine prächtige Parade, mit einem General vorneweg, mit Pferden, Fahnen und Fußvolk, ein Zug von der 23er Kaserne, wo sie stationiert sind, über die Altenwoogstraße bis in die Stadt - und keiner schaut zu. Ein paar neugierige Kinder rennen auf dem Bürgersteig nebenher. Auf dem Originalfoto sind an einem Fenster zwei neugierige Frauen zu sehen. Üblicherweise wurden diese Paraden von einem noch höheren General in der Fischerstraße abgenommen. Das Verhältnis zu den Franzosen nach dem Ersten Weltkrieg ist nicht zu vergleichen mit dem nach dem Zweiten Weltkrieg. Damals stand noch Rache auf den Fahnen, nach 1945 schon bald Freundschaft. Auf dem Foto aus Privatbesitz zieht die Kompanie gerade an der Einmündung der Erlenstraße in die Altenwoogstraße vorbei. Heute befindet sich auf dieser Straßenecke eine kleine Schmuckanlage mit Sitzbank. Den kleinen Kiosk, wo es Klickerwasser gab, stand mit geringen Positionsveränderungen noch bis lange nach dem Zweiten Weltkrieg auf Höhe dieser Straßenecke. Die Häuser links im Bild gehören zur Erlenstraße. Das Haus mit der etwas reicheren Fassade etwa in der Bildmitte ist die Altenwoogstraße 1. Die Baulücke nach rechts hin besteht immer noch. Dann folgt rechts im Bild die Fassade der ehemaligen Druckerei Schneider. Der Schriftzug auf der verwaschenen Westfassade ist heute noch zu erkennen. Die Kompanie hat offensichtlich eine Gehhilfe. Sie marschiert entlang der kerzengeraden Straßenbahnschienen. Die Aufnahme trägt das Datum 16. Juli 1921. Sie wurde aber zwei Tage vorher gemacht, am Nationalfeiertag. Der Fotograf hat als Datum die Entwicklung des Films eingetragen.

Gasthaus Riesen

Bild128Das Weinhaus-Restaurant-Café Zum Riesen war eine der besten Adressen im alten Lautern. Noch in den fünfziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts erzählten ältere Damen mit Begeisterung, daß sie im Riesen kochen gelernt hatten. Die Speisekarte des Riesen hätte Französisches und Bayerisches geboten: von Käsesuppe mit Croutons bis bayerische Leberknödelsuppe. Der Riesen war einer der wenigen Ausbildungsbetriebe im gastronomischen Gewerbe. Das Haus stand Ecke Riesenstraße/Kerststraße. Auf Postkarten und auf der Speisekarte stand die Adresse Ecke Riesenstraße/Marktstraße. Von dem Wort Marktstraße versprach sich vielleicht einer der Inhaber etwas mehr Reklame für sein Speiserestaurant als von der Kerststraße. Das Restaurant hatte einen so guten Ruf, daß 1879 die Riesenstraße danach benannt wurde. Für den Namen Riesen gibt es keine belegbare Erklärung. Wie auf der alten Fotografie noch ganz schwach zu erkennen ist, ist auf der Seite der Riesenstraße, etwa in der Bildmitte, ein Riese über die Fläche des gesamten ersten Obergeschosses gemalt. Vielleicht hat einmal ein riesengroßer Gastwirt das Restaurant betrieben. Das Foto aus den Beständen des Theodor-Zink-Museums ist vor mehr als hundert Jahren von der Fackelstraße her aufgenommen worden. Im Bildhintergrund links ist die Dachsilhouette der Wartburg zu erkennen. Der Riesen wurde 1912 abgerissen. Im Jahr 1915 wurde auf dem Grundstück ein Neubau errichtet, das Warenhaus Wohlwert, später Kämper. Das Gebäude fiel den beiden Angriffen am 14. August und am 28. September 1944 zum Opfer. Im Haus rechts neben dem Riesen hatte der Hut- und Kappenmacher Schweitzer seinen Laden, dann folgt das Haus der späteren Metzgerei Kohler.

Straßenbahn am Westbahnhof.

Bild130Der erste Wagen der Kaiserslauterer Straßenbahn kam am 16. Juli 1914 am Westbahnhof an. Mit menschlicher Muskelkraft wurde er am 17. Juli 1914 (Tag der Aufnahme) aus dem Bahnhof bugsiert. Pferde zogen ihn dann durch die Mühlstraße zum Depot in der Karcherstraße. Die Schienen waren bereits verlegt, aber der Fahrdraht zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Bis zum 30. Juni 1935 ratterte die Straßenbahn durch die Stadt Kaiserslautern. Die Genehmigung zum Betrieb einer elektrischen Straßenbahn, erteilt von König Ludwig III. von Bayern auf 100 Jahre, läuft am 1. August 2014 (!) ab. Im Hintergrund des Fotos sind die teilweise noch erhaltenen Gebäude des Alten Schlachthofs zu erkennen, so beispielsweise links der Kühlturm auf dem heutigen Gartenschaugelände. Direkt hinter dem Straßenbahnwagen sieht man das Dach des Westbahnhofs. Die Aufnahme stammt aus dem Archiv der Technischen Werke Kaiserslautern.

Die Eisenbahnstraße:

Bild131Was wollte Kaiserslautern mit dieser Postkartenaufnahme des Verlags Metz aus Tübingen zeigen? Die flächendeckende Stadtzerstörung, wie fein säuberlich man die Trümmer aufgeräumt hat, auf denen es grünte und blühte, oder daß die Bombenschäden an der Stiftskirche gerade beseitigt wurden? Auf dem Original ist zu erkennen, daß der Hauptturm noch von einem Gerüst umgeben ist. Die Aufnahme muß vor dem 30. Juli 1950 gemacht worden sein. An diesem Tag wurde die Stiftskirche nach dem Wiederaufbau eingeweiht. Bekannt ist vielen Lauterern der älteren Generation, daß die Postkarte ein Renner war. Amerikaner, die ab Mitte 1950 die ersten Kontakte wegen der bevorstehenden Stationierung (ab 1951) mit der Stadt geknüpft hatten, sollen die Karten en bloc aufgekauft haben. Eine dieser Postkarten befindet sich im Besitz des Theodor-Zink-Museums. Die Eisenbahnstraße ist in der Bildmitte zu erkennen. Schienenreste der 1935 stillgelegten Straßenbahn sind im Vordergrund zu sehen. Links mündet die Alleestraße ein, von rechts die heutige Karl-Marx-Straße. Genau in der Bildmitte kommt die untergegangene Schieferstraße von links in die Eisenbahnstraße, rechts ist die abgehende Basteigasse auszumachen. Nach der Schieferstraße sind links die Bordsteine der Maurerstraße zu erkennen und etwas weiter oben im Bild (vor dem dunklen Schatten) verläuft von links die Riesenstraße und nach rechts die Rummelstraße. Etwas rechts im Vordergrund sieht man drei Treppenstufen. Das war der Eingang zur Gaststätte Bier-Mayer. Auf dieser Treppe hatte der stadtbekannte Hund, Bier-Mayers Schnauzer, seinen Stammplatz. Er knurrte die Gäste nur an, wenn sie das Lokal verließen. Dieses Stück Kaiserslautern wurde überwiegend bei dem Angriff am 14. August 1944 zerstört.

Der Blechhammer:

Bild132Die Blechhammer Wirtschaft wurde Ende des 19. Jahrhunderts auf der Ostseite des Blechhammer Weihers vom Bierbrauer Karl Orth erbaut. Er hatte das Anwesen mit der alten Blechschmiede 1870 erworben. Die Postkartenaufnahme aus den Beständen des Theodor-Zink-Museums wurde Anfang der 1920er Jahre gemacht. Damals bezeichnete sich das Haus als Luftkurort Blechhammer. Den Zusatz Luftkurort legten sich in den 1920er Jahren fast alle außerhalb der Stadt gelegenen Gaststätten zu, so auch die Eselsfürth, der Bremerhof und Johanniskreuz. Wegen der damals stark verbreiteten Lungentuberkulose warben die in freier Natur gelegenen Häuser mit der frischen Waldluft. Noch 1936 gab es in Kaiserslautern 914 Neuerkrankungen an Tuberkulose. Sumpfgelände reichte zur Zeit der Aufnahme noch bis unmittelbar an die Blechhammer Wirtschaft. Der Metall verarbeitende Betrieb des Blech- oder Wappenhammers wurde 1739 gegründet. Man nutzte die Wasserkraft des abfließenden Großen Vogelwoogs. Sensen, Sicheln und Waffen wurden hergestellt, bis das Werk 1840 durch ein Unwetter vernichtet wurde. Später betrieb die Firma Gienanth auf dem Gelände noch einen Blechhammer bis 1848. Bis zum Erwerb des Geländes durch den Bierbrauer Orth arbeitete auf dem Grundstück eine Ultramarin-Fabrik, die den typisch blauen Farbstoff herstellte. Es ist davon auszugehen, daß aus jener Zeit keine Ultramarin-Altlasten mehr vorhanden sind.

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