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Alte Stadtansichten Album 21

Die 4. Pfälzische Industrie- und Gewerbeausstellung

Bild202wurde am 1. Juni 1905 rund um das Pfälzische Gewerbemuseum, die heutige Pfalzgalerie, veranstaltet. Auf dem Foto aus den Beständen des Theodor-Zink-Museums ist das „Westliche Ausstellungsrestaurant" mit einem Musikpavillon abgebildet. Dieser Komplex nahm den größten Teil der Fläche zwischen der heutigen Villenstraße, dem Museum und der Morlauterer Straße ein. Das Privathaus mit dem Walmdach, links im Bild, steht heute noch fast unverändert in der Morlauterer Straße. In den Zeitungen stand, die Stadt habe die Museumsstraße, die heutige Martin-Luther-Straße, geöffnet, eine Wasserleitung (!) gelegt und sie habe Straßenzufahrten planiert. Die 1. Industrieausstellung in Kaiserslautern wurde 1843 veranstaltet. In den Zeitungen stand: „600 Unternehmer, Fabrikanten und Handwerksbetriebe stellen aus." Im Jahr 1860 lud die Stadt zur 2. Pfälzischen Industrie-Ausstellung ein. Die 3. Ausstellung wurde 1872 arrangiert. Sie begann gezielt am 14. Juli, dem Nationalfeiertag des gerade besiegten Frankreichs. Die Chemie war fast nicht mehr vertreten. Ludwigshafen hatte Lautern den Rang abgelaufen. Die Seifensiederei L. Stefany produzierte einen lebensgroßen Barbarossa aus Seife. In der Lauterer Messetradition gab es dann einen langen Leerlauf bis 1925 die Ausstellungshallen an der Enterweilerstraße gebaut wurden, die jedoch nicht in dem erwünschten Maß genutzt wurden. Dann gab es wieder einen Leerlauf im Abwärtstrend als Messestadt bis Anfang der 1950er Jahre das „Sortiment der Fresswelle" präsentiert wurde: Kochlöffel, Gemüseraspeln und Handmixer. Diese Ausstellungen fanden in der später abgerissenen Löwenburg an der Bremerstraße, in der Alten und Neuen Eintracht statt. 1985 kam die Verbraucherausstellung Pfälzer Land nach Kaiserslautern.

Einen Bauboom gab es auf dem Betzenberg

Bild203ab der zweiten Hälfte der 1960er Jahre. Das Foto zeigt im Vordergrund die Baustelle St.-Quentin-Ring um 1967. Das Bild aus dem Bau-AG-Archiv vermittelt einen Eindruck von einer guten alten Zeit. Um 1966/67 schwächelte die Konjunktur, aber Kaiserslautern ging es gut, man könnte sagen, K-Town boomte. Die sicheren Arbeitsplätze bei den amerikanischen Stationierungsstreitkräften fingen in der Region die allgemeine Konjunkturschwäche ab. Wohnungen und Bauplätze waren gefragt. Die Stadt musste neues Baugelände erschließen. Es gab Proteste, aber im Walddistrikt Betzenberg/Hinkelstein fielen die Bäume. Es gab grünes Licht für ein Baugebiet bei den „Roten Teufeln". Im ersten Bauabschnitt wurden auf einem 20,7 Hektar großen Gebiet Bungalows, Zweifamilienhäuser und vier- bis 19-stöckige Hochhäuser gebaut. Für den zweiten Bauabschnitt, ab 1971, wurden 25,5 Hektar bereitgestellt. Dieser zweite Abschnitt wurde wesentlich dichter bebaut als der erste, weil ein Jahr zuvor die Universität gegründet worden war und ein hoher Wohnbedarf in der Nähe der Universität zu erwarten war. Der erste Bauabschnitt der Uni-Wohnstadt wurde erst 1978 erschlossen. Am 19. Dezember 1966 vollzog die Bau AG den ersten Spatenstich für 80 Wohnungen in der „Wohnstraße D", der späteren Herderstraße, die 1967 offiziell ihren Namen erhalten hat. Das Wohngebiet Betzenberg grenzt unmittelbar an den Naturpark Pfälzerwald.

Der Hagelgrund, durch den der Eselsbach fließt,

Bild204ist von jeher ein beliebtes Ausflugs- und Naherholungsgebiet. Auf der mehrfach reproduzierten Aufnahme aus den Beständen des Theodor-Zink-Museums sind in der Mitte einige Häuser zu sehen, die wahrscheinlich zum ehemaligen „Hofgut Gersweiler” gehörten. Von rechts kommt die Straße, die aus der Stadt über den Hinteren Rotenberg zum Gersweilerhof führt. Die Straße nimmt heute einen anderen Verlauf. Im Hagelgrund gibt es einen Naturlehrpfad. Verschiedene Hinweistafeln informieren über Naturschutzthemen. Der Pfad beginnt an der Waschmühle und ist als Rundweg angelegt. Das Foto hält ein Idyll etwa aus der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg fest: einen Schweinehirten, ganz links zwei Kinder bei dem Holzstoß und den naturbelassenen Eselsbach, der einst den Kaiserwoog - auf dem heutigen Gelände der Gartenschau - speiste. Eine „Pfälzische Wasserstraße” war angedacht. Sie sollte die Saar mit dem Rhein verbinden. Für den Hagelgrund war ein fünf Kilometer langer Stausee vorgesehen. Die Idee der Wasserstraße stammte von den Franzosen aus dem Jahr 1776. Viele Generationen waren davon begeistert, aber keiner gelang es, den Kanal zu bauen. Erst im März 1986 (!), nach 210 Jahren, versanken, nach heftigen Ratsdiskussionen, alle Kanalfantasien in den Aktenfluten der Archive.

Der Rundfunksender Kaiserslautern

Bild205ging 1926 in Betrieb. Er stand im Bereich des Flurstücks Am Nußbäumchen, südlich des Vorderen Rotenbergs. In seiner Grundsubstanz ist das kleine Gebäude des Kaiserslauterer Senders, in dem das Rundfunkstudio untergebracht war, noch erhalten. Die Lebenshilfe betreibt heute nach wiederholten Umbauten und Renovierungen in dem Haus Am Nussbäumchen 1 eine Kindertagesstätte. Auf der Frequenz 1429 kHz strahlte der Sender mit 0,5 Kilowatt Leistung sein Programm ab. Das Programm bestand überwiegend aus regionalen Nachrichten. Auch vom „Reichssender” aus Berlin wurden Programmteile, insbesondere der „Nachrichtendienst” übernommen. Es gab kurze Beiträge beispielsweise für Briefmarkensammler oder für Naturfreunde. Der Sender strahlte sein Programm täglich nur ein paar Stunden aus. Der Sendebetrieb wurde 1945 eingestellt und die beiden Gittermasten wurden wenig später abgebaut. Die eigentliche Sendeantenne waren Drähte, die zwischen den beiden Masten gespannt waren. Die Antennendrähte sind auf dem Foto des Theodor-Zink-Museums aus dem Jahr 1928 nicht zu erkennen. Die Masten waren nur Träger für die Drahtantenne und keine Sendemasten in heutigem Sinn. „Der Sender” wurde im Laufe der Jahre in Kaiserslautern zu einem Begriff, der über die kleine Rundfunkanstalt hinausging. Noch heute gehen viele ältere Lauterer „auf dem Sender” spazieren. Die eigentliche Flurbezeichnung „Rotenberg” setzte sich aber immer mehr durch.

Die Lautertalbrücke

Bild207Im Sommer 1936 liefen die Arbeiten an der 7,5 Kilometer langen Strecke der Umgehungsstraße Nord auf vollen Touren.

Für die Lautertalbrücke war im November 1936 Richtfest. Das Foto der Lautertalbrücke aus den Beständen des Theodor-Zink-Museums wurde 1938 aufgenommen.

Die Idee einer Umgehungsstraße Nord stammt von Hermann Hussong aus den 1920er Jahren. Das Projekt war eine pfälzisch-bayerische Angelegenheit. Wegen der hohen Arbeitslosigkeit übte die Stadt immer stärkeren Druck auf die bayerische Regierung aus, endlich die Umgehungsstraße Nord zu bauen. Wegen Geldmangels scheiterte dieses Unterfangen.

Der erste Spatenstich zum Bau der Umgehungsstraße wurde schließlich am 5. November 1934 von einem ungenannten Kaiserslauterer Arbeitslosen ausgeführt, der durch diesen Straßenbau wieder in Lohn und Brot kam. Kein Gauleiter oder sonst eine Nazigröße hatte zum Spaten gegriffen. Diese als Umgehungsstraße Nord begonnene Trasse wurde schon kurz nach Baubeginn als Autobahn und 1935 als Reichsautobahn bezeichnet und nach dem Zweiten Weltkrieg als Bundesautobahn.

Die Technische Nothilfe sprengte am 19. März 1945 im Auftrag der Deutschen Wehrmacht die Lautertalbrücke. Sie wurde Mitte der 1950er Jahre wieder aufgebaut. Die SPD richtete im Oktober 1956 eine Kleine Anfrage an die Landesregierung und wollte wissen, warum das Lautertal, nach dem Wiederaufbau der Lautertalbrücke, endgültig von der Autobahn abgehängt worden sei. Die SPD plädierte damals für eine neue Auffahrt von der Lauterstraße her. Die Antwort der Landesregierung: „... die 38 Meter Höhenunterschied machen es unmöglich”.

Ein Blick zur Brücke und ins Gelände hätte die Anfrage erübrigt. Auf dem Foto sind drei traditionsreiche Lauterer Stadtquartiere zu sehen: links die Siedlung Erzhütten, etwas mehr rechts, direkt über dem Brückengeländer die 1923 bis 1925 von der Bau AG errichtete Siedlung Am Alberichsberg sowie rechts und links im Vordergrund Teile der Siedlung Engelshof, die ab 1933 vom Caritasverband zunächst mit etwa 30 Siedlungsstellen errichtet wurde.
 

Wo sich einst die Schweine suhlten
Wie der Fackelwoog-Brunnen entstanden ist, woher sein Name stammt und warum er so oft farbig plätscherte

Von Gerhard Westenburger

Fackelbild 208„Der Fackelbrunnen bleibt genau da, wo er ist.” Das hat Oberbürgermeister Klaus Weichel im Zusammenhang mit der Gestaltung der neuen Stadtmitte betont (wir berichteten). Der Fackelbrunnen? Man kann davon ausgehen, dass der Springbrunnen, der früher am Fackelrondell stand, gemeint ist. Und das ist der Fackelwoog-Brunnen. Er wurde am 30. April 1939 offiziell auf diesen Namen in dieser Schreibweise getauft. Für die Lauterer war er im Sprachgebrauch schon bald „de Brunne' am Fackelrondell”. Und jetzt ist er trotz seines schönen Namens „de Brunne' vorm Rathaus”. Der Bildhauer Fritz Korter hat die drei Brunnenschalen aus Obersulzbacher Sandstein gemeißelt.

Dort, wo der Fackelwoog-Brunnen ursprünglich stand, war der Fackelwoog. Das Wort „Fackel” ist laut Lexikon auf das althochdeutsche „vark”, Ferkel, zurückzuführen. Am Ufer des Fackelwoogs vor der Stadt durften sich die Schweine unter Aufsicht des Sauhirten suhlen.

Es gab eine Zeit, in der man das Fackelrondell und den Brunnennamen wegen abendlicher Fackelzüge, die auch dort vorbeiführten, fälschlicherweise auf das mittelhochdeutsche „vackel”, Fackel, zurückgeführt hat. Wer wollte damals schon bei einem Brunnen, der an Schweine erinnert, seine Fackelzüge abhalten? In der Literatur tauchen dann auch tatsächlich verschiedene Namen auf, die den „Woog” außer Acht lassen: Fackelrondellbrunnen, Springbrunnen am Fackelrondell, Korter-Brunnen und auch der Fackelbrunnen.

An Ostern 1975 lief der Brunnen zum letzten Mal an seinem alten Standort am Fackelrondell. Er musste dem Kaufhaus Karstadt weichen. Bereits Mitte Mai 1975 waren die Teile abgebaut und nummeriert in einem städtischen Lager untergebracht. Im Oktober begann der Wiederaufbau auf der Ostseite des alten Pfalztheaters, des heutigen Theater-Parkplatzes. An Ostern 1976 lief er an seinem neuen Standort.

Wochenlang und spaltenweise beschrieb 1938 die damals noch nicht verbotene „Pfälzische Presse” die Schönheit des „Korter-Brunnens” am Fackelrondell, obwohl noch niemand ein Modell gesehen hatte. Während die zweite Brunnenschale gesetzt, die Fische angebracht wurden und während verschiedener Probeläufe hatte die Stadt die Sicht auf den Brunnen rundherum mit einem Vorhang versperrt. Das war ein Verpackungskunstwerk.

In den Berichten über den Bau des „Springbrunnens" ist zu lesen, dass die Wasserstrahlen mit 50 PS „in die Luft gejagt” werden und dass der Brunnen „selbstverständlich farbig beleuchtet” werde. Diesen Effekt konnte man noch 1939 mit Hilfe roter und grüner Unterwasserstrahler für kurze Zeit genießen. Dann gab es die Verdunklungspflicht.

Erst 1957 erschien das Wasser wieder in prächtigem Farbenspiel. Mit Chemikalien hatten zwei amerikanische Soldaten das Wasser zunächst himbeerfarben eingefärbt, das dann in Orange überging. Es war wunderschön. Die Leute glaubten, der Stadt sei endlich wieder etwas Neues eingefallen. Schließlich kam damals König Ibn Saud von Saudi-Arabien nach Kaiserslautern. Er besuchte einen Zirkus auf dem Messeplatz.

Als an einem Sonntag im Juni 1959 die Besucher nach der Abschiedsvorstellung von Fränze Hoffmann aus dem Theater kamen, schwebten dem Ausgang Berge weißen Schaums entgegen. Lausbuben hatten Waschpulver in den Brunnen geschüttet. Ein Polizist sei herbeigerufen worden, stand später in der Zeitung, um die „am lauen Sommerabend vor dem beleuchteten Brunnen in den Schaumwolken freudig diskutierende Menge” von der Wiese abzudrängen. Es war ein bisschen Hollywood. Die amerikanischen Limousinen flüsterten über die Ost-West-Achse und die Schaumwolken tanzten im Sog hinterher. Das war ein Stückchen Lautern in den wilden Fünfzigern.

Schon im August 1959 gab es ein Plagiat der Kunst des Wasserfärbens am Fackelwoog-Brunnen: Über Nacht habe sich am Fackelrondell ein „Naturschauspiel” ereignet, stand in der RHEINPFALZ. Das Wasser war grün gefärbt, allerdings ohne Schaum, eher wie Waldmeisterlimonade. Vielleicht schmunzeln heute noch Amerikaner älterer Semester in Kalifornien, Arizona oder sonst wo, wie sie die „fountain in K-Town” eingefärbt hatten.

Es gibt kaum ein Stadtviertel in Kaiserslautern, das sein Aussehen so oft geändert hat. Christian Strohmeyer, der Architekt Johann Casimirs, soll westlich des Schlosses 1576 bis 1583 Rondelle angelegt haben. Sie sind irgendwann untergegangen. Die Generation der Stadtentwickler um 1820 scheint wieder darauf aufmerksam geworden zu sein. Damals wurde ein bescheidenes Rondell angelegt. Im Stadtplan von 1833 ist der runde Platz als „Fackel-Thor” bezeichnet. Mit dem Bau des Kaufhauses im Jahr 1976 ist das Rondell völlig verschwunden und zwar genau 400 Jahre nach den Strohmeyer-Rondellen von 1576.

Quelle: Rheinpfalz
 

Dieser Abschnitt der Pirmasenser Straße

Bild206gehört zu den wenigen Stadtquartieren, die zwei Weltkriege und alle städtebaulichen Begehrlichkeiten unbeschadet und fast unverändert überstanden haben. Bei der kleinen Freifläche münden aus dem „Musikerviertel” die Mozartstraße, die Brahmsstraße und die Schumannstraße in die Pirmasenser Straße. Das Haus mit dem Runderker in der Bildmitte bezeichnet der Denkmalschutz deshalb als von „städtebaulicher Dominanz”. Der Metzgermeister und Wirt Otto Schwenke ließ sich 1907/1908 das Gebäude als Wohn- und Geschäftshaus errichten. Die Jugendstilfassade mit ihren schmucken Details, wie sie auf dem Foto aus dem Archiv der Stadtsparkasse zu sehen ist, gibt es heute nicht mehr. Die Aufnahme wurde zwischen 1910 und 1912 gemacht. Die Fassade ist jetzt moderner und klarer gestaltet. Der prächtig verzierte Kandelaber scheint die ehemalige städtebauliche Dominanz zu unterstreichen. Nur auf bedeutenden Flächen, wie beispielsweise am Fackelrondell oder am Hauptbahnhof, wurden derartige (elektrische) Kandelaber errichtet. Gaslaternen leuchteten überwiegend Straßenecken aus. Das Foto erfasst eines der damaligen Kleinzentren, wo alles für das tägliche Leben auf kurzen Wegen zu bekommen war. Rechts im Bild ist das „Nasenschild” des Kolonialwarenhändlers Sanwald zu erkennen. Sanwald war einer der drei, vier Kolonialwaren-Großhändler. Er belieferte noch bis in die 1940er Jahre kleinere Geschäfte in der Stadt.
 

Lauterer Plätze: Ein Stück Identität - Romantisch bis zweckmäßig

Von Gerhard Westenburger

Platz_Martin1 BildIm aktuellen Kaiserslauterer Straßenverzeichnis stehen 19 Plätze; es gibt aber mehr als zwei Dutzend. Einige führen ihre Namen nur im Sprachgebrauch, sie sind nicht offiziell registriert - wie beispielsweise der Königsplatz, der Wiesenplatz, der Alte-Theater-Platz oder sogar der Messeplatz. In einer neuen RHEINPFALZ-Serie stehen nun die offiziellen ebenso wie die inoffiziellen Plätze im Fokus, ihre Geschichte und ihre Funktion.

Die Plätze, die im Laufe der Stadtentwicklung überplant wurden und untergegangen sind, findet man nur noch in alten Verzeichnissen und auf historischen Stadtplänen - wie etwa den Maxplatz, auf dem die Gäule per Handschlag den Besitzer wechselten, das Eisplätzchen oder den Kaiser-Rudolf-Platz. Auch an diese alten Lauterer Plätze soll erinnert werden.

In ihren vielfältigen Erscheinungsformen waren und sind Plätze ein Stück Kaiserslauterer Identität. Sie prägen ihre Umgebung. Sie sind Elemente moderner und historischer Stadtentwicklung. Plätze in der Stadt sind wie Pausen in der Musik. Pausen sind auch Musik, Plätze sind auch Stadt. Nur hat man diese „Pausen”, aus welchen Gründen auch immer, bei allen Stadterweiterungen rundweg vergessen: Es gibt keinen Platz, weder mit einem offiziellen Namen noch mit einem Namen nur im Sprachgebrauch, auf dem Bännjerrück, auf dem Seß, auf dem Betzenberg, auf dem Kaiserberg oder auf dem Lämmchesberg. Es gab keinen Platz für Plätze. Der Davenportplatz in der Uniwohnstadt ist die Ausnahme.

Nicht von den reichlich vorhandenen Spielplätzen ist die Rede. Gemeint sind freie Flächen, die nur ihrer selbst wegen und um das Stadtbild zu bereichern, existieren.

Viele Straßen in Kaiserslautern hatten durch die Bombardierungen während des Zweiten Weltkriegs ihr Gesicht bis zur Unkenntlichkeit verändert. Die Lauterer Plätze wurden durch die Bombardements nicht verändert. Sie haben sich auch beharrlich Bebauungs-Eskapaden widersetzt, obwohl sich die Randbebauung oft erheblich verändert hat. Der Stiftsplatz ist ein Beispiel.

Man kann darüber streiten, ob die Häuserkulisse einem Platz den Stempel aufdrückt oder der Platz als freier Raum seiner Umgebung. Der alte Karlsberg an der Südseite und das ehemalige Theodor-Zink-Museum an der Nordseite des Stiftsplatzes waren wesentliche Bestandteile dieser Freifläche. Der Stiftsplatz hat durch die neue Randbebauung jedoch nichts von seinem Charakter und von seiner Atmosphäre eingebüßt. Dieses Phänomen gilt es, genauer zu untersuchen.

Die Fußgängerzone hat auch in Kaiserslautern einen Teil der kommunikativen Funktion der Plätze übernommen. Ausnahmen mögen der St.-Martins-Platz bei dem Altstadtfest oder an Sommerabenden sein, der Stiftsplatz an den Markttagen und der Messeplatz in Kerwezeiten. Von ihrer Aufgabe und vom Alter her hat Kaiserslautern Plätze der unterschiedlichsten Art. Sie sind romantisch, sachlich, zweckmäßig oder multifunktional.

Quelle: Rheinpfalz
 

Wo ein König einst Quartier bezog
Der St-Martins-Platz erhielt erst im Jahr 1976 seinen Namen

Von Gerhard Westenburger

Platz_Martin2 BildDer St.-Martins-Platz ist einer der ältesten Plätze in Kaiserslautern. Seinen Namen bekam er allerdings erst 1976, vor 35 Jahren. Die RHEINPFALZ hatte im Oktober 1976 eine Umfrage durchgeführt, wie der Platz künftig heißen soll. Der Anlass war der Ausbau als Fußgängerzone. Die meisten Leute wünschten sich einen St.-Martins-Platz. Die Straßenbenennungskommission und der Stadtrat entschieden sich nach der Umfrage für diesen Namen.

Es hatte sich wieder einmal herausgestellt, wie gut sich die Lauterer in ihrer Stadt auskennen. „Barfüßerplatz” und „Franziskanerplatz” schlugen sie vor. „Unionsplatz” empfahlen sie in Erinnerung an die 1818 geschlossene Union zwischen Reformierten und Lutheranern. Der Platz hieß Mitte des 18. Jahrhunderts wegen der städtischen Kornspeicher „Kornmarkt”. Die Kornspeicher selbst hießen „Kaufhaus”; daher kam auch der Vorschlag „Kaufhausplatz”. Bis Mitte der 1930er Jahr veranstaltete die Stadt vor der Martinskirche ab und zu Serenadenkonzerte. „Serenadenplatz” war ein weiterer Vorschlag.

Der „St.-Martins-Brunnen”, einen offiziellen Namen hat er nicht, ist ein Schmuckstück des Platzes. Als Baumeister Kölwel um 1888 in der Steinstraße eine Wasserleitung verlegt hatte, sprach man vom „Fontäne-Brunnen” oder „Kaufhaus-Brunnen”. Die Stadt hat ihn schon öfter überarbeitet. Eine große Restauration war 1977 fällig. Den gusseisernen Schwänen hatten Lausbuben die Hälse umgedreht und die Löwenköpfe abmontiert. Löwenköpfe und Schwäne ließ die Stadt nachmodellieren, und die Firma Pfaff hat sie neu gegossen.

Als der St.-Martins-Platz in die Fußgängerzone eingebunden war, fanden die Leute allmählich Gefallen an ihrer neuen” Altstadt. Damals wurde auch ein Verbindungsweg vorbei am Portal der Martinskirche zur Ost-West-Achse angelegt. Der Platz war so von Osten her erschlossen. Die Musikschule, die mittlerweile umgezogene Stadtbibliothek, und neue Gaststätten belebten allmählich den Platz. Das Marhoffer'sche Sälchen im Durchgang zum Unionsplatz wurde restauriert, und der St.-Martinsplatz Platz wurde durch die zahlreichen Geschäftseröffnungen in der Steinstraße mehr und mehr belebt. Altstadtfest und St.-Martins-Platz profitieren voneinander. Die Spoliensäule am Eingang von der Ost-West-Achse her ist eine Spende der Gasanstalt aus Anlass des 700. Stadtjubiläums 1976.

Die untere Steinstraße beim St.-Martins-Platz war im alten Lautern für Gäste die beste Adresse. Das Gefolge des Königs Maximilian nächtigte 1816 im Gasthaus zum Donnersberg, der König selbst schlief bei Familie Rettig im damaligen Haus Steinstraße 7. Françoirs René de Chateaubriand, der Dichter und Staatsmann, kam an einem Abend im Jahr 1836 „vom Westrich her” nach Kaiserslautern. Er schrieb in sein Tagebuch: „Ich hätte am liebsten die Träume aller Bewohner notiert, denn die Nacht war voller Nachtigallen, Grasmücken, Drosseln und Wachteln. Klagende Gefangene, die den, der vorüber fuhr, durch die Gitter ihrer Gefängnisse grüßten..." Vogelfang und Holzfrevel waren noch bis weit ins 19. Jahrhundert besondere Lauterer Leidenschaften. Und wo ist Chateaubriand abgestiegen? Im „Mont Tonnère”, im Gasthaus zum Donnersberg, in der Steinstraße beim heutigen St.-Martins-Platz.

Als 1843 der Grundstein zur Fruchthalle gelegt wurde, schlief König Ludwig I. im Gasthaus zum Donnersberg. Auch Victor Hugo bezog 1843 Quartier im „Mont Tonnère”. Der Besuch Mozarts in Kaiserslautern auf seiner Reise nach Paris ist nicht hundertprozentig sicher. Er soll im März 1778 auf seiner Reise nach Paris in Kaiserslautern Station gemacht haben. Es käme nur ein Gasthaus beim St.-Martins-Platz in Frage. Vielleicht wurden auch nur die Pferde gewechselt. Der damals 21-jährige Compositeur war 1778 zwar nicht mehr so genial kreativ, aber es entstand seine Pariser Sinfonie. Vielleicht hatte er in Lautern schon den zweiten Satz, das Andante im Kopf, der dritte, der bewegte, passte nicht zu Lautern. Wenn es nur nachweislich überliefert wäre! In Lautern wäre man für die Stadtwerbung auch mit einem Mozart-Sonatchen zufrieden.

Quelle: Rheinpfalz
 

Als der „Schreckebutze” vornehm tat
Der Wiesenplatz existiert heute nur noch im Sprachgebrauch

Von Gerhard Westenburger

Platz_Wiesen BildWiesenplatz ist kein offizieller Name. Die Fläche ist nicht als Platz gewidmet, und trotzdem war der Titel mit beharrlicher Inkonsequenz hin und wieder in die Stadtpläne eingezeichnet und in den Straßenverzeichnissen nachzulesen.

So ist beispielsweise in den Plänen von 1920 und 1938 nur eine freie, unbenannte Fläche zu finden, die 1954 grün als Wiesenplatz eingezeichnet ist - wie in den Stadtplänen aus den 1970er und 1980er Jahren. Im Stadtplan vom August 2010 ist der Platzname nicht mehr erwähnt, und die kleine Fläche ist rot eingezeichnet, als sei sie bebaut. Jetzt existiert der Name, „'s Wisseplätzje”, nur noch im Sprachgebrauch. Der Wiesenplatz ist heute ein eingezäunter, gepflegter Bolz- und Spielplatz mit altem Baumbestand. Auf der Ostseite wird der Platz von der Eichenstraße begrenzt, im Westen von der Krimmstraße. Die Begrenzung im Süden durch die Kanalstraße gibt einen etwas tieferen Einblick in die im Grunde ereignislose Geschichte dieser Freifläche. Die Lauter floss entlang der Wiesenstraße (die bis 1879 Auf dem Wiesenpfad hieß), dann quer über den Platz, machte an der heutigen Ecke Albrecht- und Kanalstraße einen Knick und floss dann weiter durch die Kanalstraße.

Straßennamen bei dem Platz sind Bestätigung für das ehemals feuchte Gelände: Die 1879 benannte Erlenstraße wegen der Erlen, die entlang der Lauter standen, die ebenfalls 1879 benannte Wiesenstraße und die 1891 benannte Birkengasse, wegen der Birken, die den feuchten Untergrund lieben. Auf dem Stadterweiterungsplan von Eugen Bindewald aus dem Jahr 1897 ist das Terrain als der nördliche Teil der Flur Im Altenwoog eingezeichnet.

Und ein Histörchen gibt es doch um das „Wisseplätzje”, ein Geschichtchen eines Lauterer Originals, einer Spezies, die leider ausgestorben zu sein scheint: Ein Teil des Wiesengeländes, eine Bleiche, gehörte einer Witwe namens Schreck, „'s Schrecke Blääch”. Gretl Wagner, eine ehemalige Mitarbeiterin des Referats Kultur der Stadtverwaltung, hat das Ereignis aufgeschrieben. Beim Wiesenplatz, in der Erlenstraße, soll ein junger Mann, „de Schreckebutze”, zusammen mit seiner Mutter gewohnt haben. Die Umgebung schien dem Sohn der Witwe Schreck zu eng geworden zu sein, und er verließ Lautern, um angeblich auf Wanderschaft zu gehen. Der junge Herr Schreck war ein echter Lauterer, und er sprach von Jugend an den breitesten Dialekt. Er hatte das Maurerhandwerk erlernt, und er hätte sich gut ernähren können.

Doch eines Tages zog es ihn angeblich hinaus in die Welt. Bereits nach drei Tagen soll er wieder zur Hoftür hereingekommen sein und beim Anblick eines Rechens in perfektem Hochdeutsch gesagt haben: „Was ist denn das für ein Instrument?” Als seine Mutter am Fenster erschien, habe er ganz vornehm gefragt: „Wohnt hier die Witwe Schreck?” „Ich helf' der, wohnt hier die Witwe Schreck!”, plärrte die Alte. „Du schlechter Butze.” Von da an war er „de' Schrecke-Butze vum Wisseplätzje”, und er hatte bewiesen, dass auch die Lauterer perfekt Hochdeutsch sprechen können.

Quelle: Rheinpfalz
 

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