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Alte Stadtansichten Album 22

Vor dem „Umlagentempel” Der Museumsplatz wurde häufiger umgestaltet - Zwischen Industrieausstellung und Kartoffelacker

Von Gerhard Westenburger

Platz_Museum BildDer Museumsplatz präsentiert die Pfalzgalerie. Nur diesem Zweck dient der Platz. Gäbe es ihn nicht, verlöre der mächtige Baukörper seine stadtbildprägende Wirkung. Der Museumsplatz hatte nie Bedeutung als Versammlungsort, war kaum Kommunikationsfläche. Dem jeweiligen Zeitgeschmack entsprechend wurde die Fläche öfter umgestaltet.

Unmittelbar nach der nördlichen Stadtgrenze gab es noch bis Mitte des 19. Jahrhunderts große fruchtbare Pflanzgärten, die auf alten Stadtplänen mit den Namen der Besitzer verzeichnet sind. Mitten in dieses Gartenareal, bei der Flur Auf der Schanze, wo der Untergrund etwas felsig war, wurde zwischen 1875 und 1880 das Pfälzische Gewerbemuseum, die heutige Pfalzgalerie, platziert. Das Museum sollte der Förderung des Kunstgewerbes, der Industrie und des Handwerks dienen.

Der Bau sei auch mit „namhaften Opfern der Stadtverwaltung” finanziert worden, steht im Fremdenführer von 1902, und er werde von der Bevölkerung als „Umlagentempel” bezeichnet. Zum Baubeginn wurde auch der Museumsplatz geschaffen und 1875 so benannt. Die Museumsstraße, die in ihrem nördlichen Teil, zur Pfalzgalerie hin, der heutigen Martin-Luther-Straße entsprach, wurde 1879 angelegt. Sie wurde 1933 in Dr.-Martin-Luther-Straße umbenannt. Der Benzinoring, der den Museumsplatz auf der Südseite begrenzt, erhielt ebenfalls 1879 seinen Namen. Hofrat Joseph Benzino förderte den Bau der Pfälzischen Gewerbeanstalt und überließ der Einrichtung eine Gemäldesammlung.

Mit drei erwähnenswerten Ereignissen machte der Museumsplatz im Laufe seiner Geschichte auf sich aufmerksam: mit einer Industrieausstellung und dem beginnenden öffentlichen Personennahverkehr, als Kartoffelacker und als Standort einer ehemals umstrittenen Plastik. Die Stadt veranstaltete die vierte Pfälzische Industrie- und Gewerbeausstellung im Jahr 1905 von Juni bis September im Museum, auf dem Platz und darüber hinaus im gesamten Außenbereich. Der bayerische Prinzregent Rupprecht eröffnete die Ausstellung. Ehrenjungfrauen und eine Lauterer Fantasiefigur, eine Dame namens Lutrina, begrüßten den Prinzen und den Grafen von Pappenheim auf der Treppe des Museumsplatzes. Die Ausstellung muss ein Publikumsmagnet gewesen sein.

Ein privater Lohnkutscher zeigte dem damals schon seit über zehn Jahren diskutierenden Stadtrat, wie man mit recht einfachen Mitteln in Kaiserslautern den Nahverkehr in den Griff bekommt. Der Lohnkutscherei-Unternehmer Christian Fuchs aus der Gartenstraße witterte ein Geschäft. Fuchs kaufte in München einen gebrauchten Pferdeomnibus und kutschierte die Besucher vom Bahnhof zur Ausstellung beim Museumsplatz und wieder zurück. Das war der Beginn eines regelmäßigen öffentlichen Personennahverkehrs in Kaiserslautern mit einem speziell für den Personentransport ausgestatteten Fahrzeug, gegen Entgelt und mit Abfahrtszeiten, die sich am Eisenbahnfahrplan orientierten. Noch während der Zeit der Ausstellung bekam Christian Fuchs Konkurrenz. Es verkehrten zwei, drei weitere Pferdeomnibusse zwischen Bahnhof und Museumsplatz.

Nach der Ausstellung blieb der Museumsplatz eine recht gut gepflegte Rasenfläche, meist ohne Blumenschmuck. Jedoch seit Anfang der 1940er Jahre war der Platz voller Blüten - Kartoffelblüten. Das Reich konnte sich, wie es hieß, keine Rasenflächen mehr leisten. Schulkinder sammelten Kartoffelkäfer, und französische Kriegsgefangene mussten auf dem Museumsplatz Kartoffeln ernten.

Etliche Jahre nach dem Krieg erinnerte der jetzt etwas vernachlässigte Museumsplatz an sich mit einem Schmuck, den eigentlich niemand wollte. Der Museumsplatz war Ausweichquartier für die „Raumsäule 7/68”, die drei Meter hohe und zehn Meter lange Edelstahlplastik von Professor Erich Hauser aus Dullingen. Das Kunstwerk wurde im April 1971 auf dem Platz installiert, nachdem der Rat den vorgesehenen Standort vor dem neuen Rathaus abgelehnt hatte. „Mit Abstand die beste Freilichtplastik dieser Ausstellung, ist das Urteil nicht weniger Fachleute...”, hieß es in der RHEINPFALZ am 29. Juni 1968, nachdem die Plastik auf der „documenta IV” in Kassel ausgestellt worden war.

Quelle „Die Rheinpfalz“

 

Sumpfloch, Krautmarkt und Reißbrettfantasien - Der Schillerplatz wurde 1288 mit Abraum aufgefüllt - 1822 entstehen die ersten Häuser, 1843 die Fruchthalle

Von Gerhard Westenburger

Platz_Schiller1BildSumpfloch im Mittelalter, aufgefüllt nach dem Stadtbrand von 1288, vernachlässigt bis Anfang des 19. Jahrhundert, erste Randbebauung 1822, Industriemesse, Krautmarkt, Volksauflauf, Ausstellungs-fläche, Reißbrettfantasien, Platzgastronomie und Sommerfreisitz: der Schillerplatz.

Nach dem Stadtbrand am Freitag vor Pfingsten im Jahr 1288 wurde das Sumpfloch mit Abraum aufgefüllt. Julius Küchler vermutete weitere „Kulturreste”, Ziegeln, Scherben und Waffen, nach den Funden bei der ersten Randbebauung.

Die freie Fläche war noch 1826 sumpfiges Gelände. Auf der Südseite sollen bereits 1822 zwei oder drei Häuser gestanden haben, unter anderem das alte Spital. Nach 1826 kamen weitere Häuser hinzu, und es entstand eine platzartige Fläche. Die Bebauung auf der Südseite war möglich, weil dort eine Felsenbank vom Altenhof bis zur Stiftskirche verläuft. Auf der Nordseite war der Lauerwoog, in den man 1843 die Fruchthalle hineingestellt hat. Ab 1860 pflanzte die Stadt Bäume. Rangierende Bauernwagen haben sie wieder umgefahren.

Auch bei dem Schillerplatz hat sich ein typisches Lauterer Phänomen herausgestellt: Die Stadt brauchte keine Plätze zu planen. Sie ergaben sich von selbst durch die Randbebauung von Sumpfgelände im Einzugsbereich der Lauter wie der Messeplatz, der Wiesenplatz und ursprünglich der Stiftsplatz. Sogar der Pfaffplatz, abseits der Talsenke der Lauter, war feuchtes unbebaubares Wiesengelände.

Bis 1865 hatte die Stadt dem Platz seine endgültige Gestalt gegeben, und 1872 war er soweit hergerichtet, dass er in die 3. Pfälzische Industrieausstellung einbezogen werden konnte. Schließlich besuchte Kaiserin Augusta von Sachsen Weimar, die Gemahlin Wilhelms I., die Ausstellung in der Barbarossastadt. Sie konnte auch einen lebensgroßen Barbarossa bestaunen, den die Seifensiederei L. Stefany gegossen hatte.

Der herbstliche Krautmarkt wurde noch Anfang des 20. Jahrhunderts auf dem Schillerplatz abgehalten, obwohl der Stiftsplatz schon fast 50 Jahre Marktplatz war. Mannshohe Berge von Weißkraut bedeckten den Platz und verbreiteten ihren typischen Geruch. Vielleicht hat man deswegen den Krautmarkt auf den Schillerplatz verdrängt.

Platz_Schiller2BildAls Ausstellungsfläche hatte sich der Platz seit der Industrieausstellung bewährt. Die bayerische Armee veranstaltete beispielsweise 1909 zusammen mit dem Verein deutscher Militärfahrzeug-Hersteller und dem kaiserlichen Automobilclub eine Lastwagenschau auf dem Schillerplatz.

Am 29. Juli 1914, vor Beginn des Ersten Weltkriegs, erschien im Stadtanzeiger ein Beitrag in dem die Rede war von „begeisterten patriotischen Ansprachen”, die auf dem Schillerplatz mit „stürmischen Hochrufen” auf Kaiser Wilhelm aufgenommen worden seien.

Zwischen den beiden Weltkriegen und danach ergaben sich einige Veränderungen, die noch heute typische Merkmale des Platzes sind. So wurde 1928 auf der Nordwestseite der erste Stahlskelettbau in Kaiserslautern errichtet, ein fünfgeschossiges Wohn- und Geschäftshaushaus. Die-se Ecke hat sich seit 1928 nicht mehr verändert, lässt man ein Detail außer Acht: Die Löwenmaske von Gernot Rumpf. Sie war beschädigt, wurde 1999 entfernt und restauriert. Auf der Südseite ging durch Neubauten in den Jahren 1967 und 1976 ein Stück Alt Lautern unter.

Der Schillerplatz wurde Straßenbahnhaltestelle, Omnibushaltestelle und Parkplatz, in den 1950er Jahren mit einer beachtlichen Fahrradständerreihe. Eine Zäsur gab es 1974/75. Die Stadt baute den Schillerplatz für Fußgänger aus. Im Juni 1974 rief Oberbürgermeister Hans Jung die Bevölkerung auf, Anregungen einzubringen, wie der Platz zu gestalten sei. Ein Bürger hätte auf dem Platz gerne ein „Aquarienhäuschen” mit Goldfischen gesehen. Das Pfalztheater wollte eine Glasvitrine. Skatecke und Meckerecke als öffentliches Forum waren Gestaltungsvorschläge. Einen Brunnen wollten alle. Der Leo-Erb-Brunnen „Konstruktion und Bewegung” wurde im August 1975 eingeweiht. Den ersten Weihnachtsmarkt veranstaltete die Stadt 1975 auf dem Schillerplatz.

1977 ging ein Aufschrei durch Kaiserslautern. Bei der RHEINPFALZ sollen die Telefone heißgelaufen sein: „Auf dem Schillerplatz wird eine Hebebühne als Parkfläche gebaut, und ein Hubschrauber-Landeplatz ist vorgesehen... Auch die Ost-West-Achse soll aufgestockt werden, um die Verkehrssituation zu verbessern”, stand in der Zeitung. Eine „Allwegbahn”, eine Betonschiene, sollte als zweite Ebene über die Ost-West-Achse geführt werden mit Haltepunkt am Schillerplatz. Ein schwedischer Millionär werde das Projekt finanzieren. Die Pläne seien in der Volkshochschule, Saal 5, ausgelegt. Es war die RHEINPFALZ-Ausgabe vom 1. April 1977.

Quelle „Die Rheinpfalz“

 

Das Areal der Erinnerungen - Der Philipp-Mees-Platz hieß einst Bismarckplatz

Von Gerhard Westenburger

Platz_Philipp-Mees1 BildDer Philipp-Mees-Platz, eingekeilt zwischen Logenstraße und Bahnhofstraße, steht für Geschichte, die weit über lokale Ereignisse hinausgeht.

Er ruft gleichzeitig äußerst dunkle und sehr heitere Tage in Erinnerung. Von der Freitreppe des alten Bezirkskommandos, der Polizeidirektion, des heutigen Polizeipräsidiums, verkündete Gauleiter Josef Bürckel der versammelten Menschenmenge am 11. März 1933, dass die NSDAP in Bayern und damit auch im bayerischen Kaiserslautern die Macht übernommen hat. Auf der Ostseite des Platzes zur Eisenbahnstraße hin erinnert ein Gedenkstein an die Opfer des Faschismus in den Jahren 1933 bis 1945. Und auf dem Rasen kicken die Beton-Fußballer von Christel Lechner im Gedenken an die Fußball-Weltmeisterschaft 2006 und an die WM-Spiele in Kaiserslautern.

Den Namen Philipp-Mees-Platz bekam die kleine Freifläche 1995. Philipp Mees war ab 1921 SPD-Mitglied, ab Anfang der 1930er Jahre stellvertretender Betriebsrat und Obmann der Vertrauensleute im Reichsbahn-Ausbesserungswerk Kaiserslautern, und er war aktiver Gewerkschaftler. Für die Nationalsozialisten galt er als Hauptfunktionär der Sozialistischen Arbeiterpartei Deutschlands. Er wurde 1938 verhaftet und kam in das Konzentrationslager Dachau. Er überlebte und führte nach dem Krieg seine Arbeit fort.

Platz_Philipp-Mees2 BildVor dem 1893 erbauten königlichen Bezirkskommando legte die Stadt zeitgleich den Platz an. Der Denkmalschutz bezeichnet den Bau heute als „schlossähnliches Verwaltungsgebäude" mit aufwendiger Gliederung im Stil des Neubarock. Das Bezirkskommando wurde nach Plänen des damals in Kaiserslautern sehr aktiven Architekten Ludwig Ritter von Stempel gebaut. Nach seinen Entwürfen wurden auch der Humbergturm, das Postgebäude in der Karl-Marx-Straße, das Finanzamt, die Kottenschule und die Apostelkirche gebaut.

Der Kaiserslauterer Verschönerungsverein schmückte den Platz vor dem Bezirkskommando mit einem aus Sandstein gehauenen Brunnen mit Fabelwesen des Bildhauers Heinrich Bernd. Der Brunnen behielt diesen Standort bis 1895. Dann musste er, nach dem Willen der Stadt, einem von Joseph Menges geschaffenen Bismarckdenkmal weichen. Das Denkmal wurde im Ersten Weltkrieg eingeschmolzen. Der Platz behielt seinen offiziellen Namen, Bismarckplatz, bis Ende der 1930er Jahre. Dann verschwand der Name aus den Stadtplänen und Straßenverzeichnissen. Er blieb namenlose Freifläche bis 1995. Der 1895 vom Bismarckplatz entfernte Brunnen ist noch erhalten. Die Stadt hat ihn in die Bremerstraße umgesetzt, wo er heute noch als Albrechtsbrunnen steht und an König Albrecht erinnert, der Kaiserslautern den Stiftswald geschenkt hat. Im Jahr 1911 hat der Bildhauer Adolf Bernd dem Brunnen einen Knaben mit Ferkel aufgesetzt, ein Hinweis auf das Recht der Eichelmast der Schweine in historischer Zeit. Die volkstümliche Bezeichnung ist heute „Saubrunnen”.

Quelle: „Die Rheinpfalz“

 

Nach Partnerstadt benannt - Der Davenportplatz ist ein städtebauliches Flickwerk

Von Gerhard Westenburger

Platz_Davenport BildDer Davenportplatz ist Patchwork. Städtebaulich gesehen ist er bunt gemischt, verfügt über viele Elemente. Nach acht Sandstein-Findlingen auf der Westseite weitet er sich auf, verliert sich dann in einer Einkaufsstraße und findet sich wieder als freie Fläche bei einem Brunnen.

Wohnanlagen mit Grünflächen und älterem Baumbestand ergänzen dieses Mosaik. „Uni-Wohnstadt Zentrum”: Dieser Hinweis steht in der Theodor-Heuss-Straße. Das Zentrum ist der Davenportplatz. Der Platz ist Bestandteil der Magistrale, des zentralen Fußgängerbereichs, der in einem weiten Bogen von der Trippstadter Straße nach Südwesten zur Ludwig-Erhard-Straße führt. Der Brunnen auf der Ostseite des Platzes hat keinen offiziellen Namen. Am 10. September 1993 wurde er eingeweiht. Der kanadische Bildhauer Daniel Couvreur bezeichnete sein Werk, drei Fontänen bei streng geometrischen Skulpturen aus Carrara-Marmor, als „Wasserspiel”.

Kaiserslautern erwarb 1976 vom Land Rheinland-Pfalz beim Scheibenkopf, im Süden der Stadt, eine Waldfläche von 143 Hektar zum Bau der Universitätswohnstadt. Die Grenzen des Naturparks Pfälzerwald wurden durch die oberste Landespflegebehörde dem neuen Gebietsstand angepasst. Die Stadt hatte bereits 1973 den Bebauungsplan Universitäts-Wohnstadt zu entwickeln begonnen. Im Frühjahr 1978 war der erste Bauabschnitt erschlossen. Nur etwa 35 Hektar des neu erworbenen Areals waren damals als Nettobauland vorgesehen, 30 Hektar öffentliches Grün, 25 Hektar Parkanlagen und zwei Hektar Spazier- und Wanderwege. Es gab zahlreiche Umplanungen. In einem Papier des Referats Stadtentwicklung aus dem Jahr 1996 steht als Abschlussbemerkung des Projekts, dass die „vorgegebenen Ziele weitestgehend” erreicht worden seien.

Der Plan, einen zentralen Park herzurichten, mit großflächigen Sport-, Spiel- und Erholungseinrichtungen, wie etwa Tennisplätzen und Hallenschwimmbad, ging allerdings den Weg allen Papiers - und hat in der Realität nichts mit den Sporteinrichtungen der Technischen Universität auf der Ostseite der Trippstadter Straße zu tun.

Der Davenportplatz erhielt bereits nach Ende der Erschließung des ersten Bauabschnitts, 1978, seinen Namen nach Kaiserslauterns amerikanischer Partnerstadt Davenport im US-Bundesstaat Iowa. Der Davenportplatz ist einer der wenigen Plätze in Kaiserslautern, die am Reißbrett geplant und im Stadtrat diskutiert worden sind. Die meisten der großen Kaiserslauterer Plätze ergaben sich wie von selbst im Laufe vieler Jahre durch Umbauung sumpfigen Geländes.

Mit dem Unternehmen Universitäts-Wohnstadt hatte Kaiserslautern eine rund zehn Jahre währende umfassende städtebauliche Entwicklung eingeleitet. Die Maßnahme war 1989 offiziell abgeschlossen. Im Jahr 2003 erschloss die Stadt jedoch noch zwei kleinere Flächen an der Theodor-Heuss-Straße und an der Konrad-Adenauer-Straße.

Quelle: „Die Rheinpfalz“

 

Der verlandete Fischweiher . Der Kennedyplatz erhält seinen Namen im Jahr 1964 - Eine der ältesten Freiflächen in der Stadt

Von Gerhard Westenburger

Platz_Kennedy BildDer Kennedyplatz wurde 1964 nach dem im November 1963 ermordeten amerikanischen Präsidenten John F. Kennedy benannt. Der Platz ist eine der ältesten Freiflächen in Kaiserslautern.

Der Kennedyplatz wird von der Altenwoogstraße, der Bismarckstraße und der Fabrikstraße begrenzt. Dank des alten Baumbestandes und der teilweisen Umrandung mit Buschwerk und Kunstzaun gewinnt er an Intimität. Der Verkehr auf der Ost-West-Achse und in der Bismarckstraße stört nicht. Die Bänke sind besetzt, die Leute schwatzen und lauschen dem Wasserspiel des Altenwoogbrunnens. Der bescheidene Gedenkstein mit der Inschrift „J. F. Kennedy” unter den riesigen Trauerweiden verleiht Würde.

Die Altenwoogstraße, die 1905 ihren Namen erhielt, hilft auf die Spur bei dieser uralten Freifläche. In der Flur Im Altenwoog gab es einen Fischweiher, den Altenwoog, der schon 1336 erwähnt wurde. Der Weiher gehörte nicht, wie ursprünglich angenommen, der Stadt Kaiserslautern, sondern den Prämonstratenser-Mönchen der Stiftskirche. Das geht aus der Stadtliteratur hervor.

Der Weiher wurde 1648 noch erwähnt, später nur noch als Wiesengelände. Die kleine, bis 1964 namenlose Freifläche war nie bebaut. Sie erinnerte an den verlandeten Altenwoog. Auf den moderneren Stadtplänen ab 1920 ist die Fläche der Markierung nach namenlos als Anlage eingezeichnet.

Der ursprüngliche Altenwoogbrunnen wurde am 29. Juni 1939 eingeweiht. Er stand in der Nordwestecke des Platzes nahe der Altenwoogstraße. Die Zeitung hielt damals fest, dass zwischen 5000 und 6000 Menschen zur Einweihung des Brunnens und der kleinen Anlage gekommen waren. Die Anziehungskraft dieser Einweihung ist nicht mehr nachzuvollziehen. Sie soll von den Nationalsozialisten organisiert worden sein. In der Fischerstraße sollen tags zuvor eigens Probeaufmärsche abgehalten worden sein. Bei der Einweihung des Fackelwoog-Brunnens, zwei Monate zuvor, am 30. April 1939, sollen nur ein paar hundert Leute gekommen sein.

Die in Kupfer getriebene Brunnen-schale des Altenwoogbrunnens wurde während des Kriegs eingeschmolzen. Der Bauausschuss des Stadtrats beschloss 1953, den Brunnen wieder aufzubauen. Der neue Altenwoogbrunnen sprudelte dann wieder ab dem 6. Juni 1954 mit einer neuen Kupferschale. Zehn Jahre später, 1964, hat die Stadt den Standort des Brunnens näher zur Bismarckstraße hin verschoben. Die marode Brunnenschale wurde 2001 abmontiert. Auch der zurückgenommene Altenwoogbrunnen verbreitet mit seinen 16 Röhren und einer Mittelfontäne auf dem Kennedyplatz eine dezente und angenehme Geräuschkulisse.

Quelle: „Die Rheinpfalz“

 

Vom karolingischen Königshof bis zum Rathaus - Den Willy-Brandt-Platz gibt es seit 1993 - Auf dem Burghügel stand zuvor das Königlich-Bayerische Zuchthaus

Von Gerhard Westenburger

Platz_Willy-Brandt BildDen Willy-Brandt-Platz gibt es dem Namen nach seit 1993, davor hieß er seit 1969 Rathausplatz, und davor hatte die vor dem neuen Rathaus geschaffene Freifläche keinen Namen. Die Stadt hatte Pläne in der Schublade, wie das Umfeld des Rathauses zu gestalten sei. Nach jahrelangen fruchtlosen Ratsdiskussionen schrumpften die großen Perspektiven.

Über ein neues Rathaus wurde erstmals 1954 öffentlich nachgedacht. Demnach sollte das Karlsberg-Gebäude einem Neubau weichen, und von der Südseite des Stiftsplatzes bis zur Münchstraße sollte ein neuer Stadtteil entstehen. Als sich die Stadt Ende der 1950er Jahre entschloss, das neue Rathaus auf die Nordseite der Burgruine zu stellen, kam die alte „Karlsbergidee” in modifizierter Form wieder auf den Tisch: Beim Rathausplatz sollte ein neuer Stadtteil, ein neues Kleinzentrum geschaffen werden. Die Stadt hatte, unterstützt vom Rathaus-Architekten Roland Ostertag, umsetzbare Pläne ausgearbeitet, die im Rat zerredet wurden: Zur Maxstraße hin sollte ein Gebäude für die Volkshochschule errichtet werden und eines für die Stadtbibliothek. Auf der Ecke Maxstraße/Burgstraße, wo heute der kleine Park-platz angelegt ist, wollte Ostertag einen „Ratskeller” bauen. Die damalige Konzertsaal-Idee ist mittlerweile den Weg allen Papiers gegangen, das Theater und die Tiefgarage sind realisiert. Entlang der Ludwigstraße war eine Ladenzeile geplant. Ostertag sagte, er wolle neue Fußgänger-, Verkehrs- und Kraftlinien schaffen.

Beim Rathausbau und bei der Umfeldgestaltung gab es heiße Diskussionen. Sogar die Kirche mischte sich ein. Prälat J. Schwartz sagte bei der Grundsteinlegung der katholischen Kirche in Krickenbach am 15. Mai 1966, der Bauaufwand für das Kaiserslauterer Rathaus sei höher als das jährliche Aufkommen zur Unterhaltung von 340 Seelsorgerstellen in der Diözese Speyer. Der Bericht stand in der Volkszeitung vom 25. Mai 1966.

Die vorbereitenden Bauarbeiten für das neue Rathaus wurden 1963 begonnen, der Grundstein am 3. Juli 1964 gelegt. Einweihung war am 29. November 1968 mit Ratssitzung und Festakt. Die Adresse des neuen Rathauses war damals noch nicht endgültig festgelegt. Das Rathaus stehe auf dem Eisplätzchen oder auf dem Maxplatz, sagten die Leute oder ganz einfach auf dem Rathausplatz, ein Platzname, den es zuvor in Lautern noch nie gegeben hatte.

Platz_Willy-Brandt Bild1Karolingischer Königshof, Barba-rossaburg, Casimir-Schloss, Königlich-Bayerisches Zuchthaus, Kaserne, Rathaus. Das ist in großen Zügen die über tausendjährige Geschichte dieser kleinen Felseninsel, auf der das Rathaus steht. Wenn man die Funde beim Theaterbau berücksichtigt, lassen sich Siedlungsspuren aus der Jungsteinzeit, 5000 Jahre vor Christus, nachweisen.

In einem noch überschaubaren Zeitraum der Geschichte ist das Bayerische Zuchthaus zu erwähnen, das den größten Teil des heutigen Willy-Brandt-Platzes einnahm. Im Jahr 1818 sah sich die Bayerische Regierung „der Notwendigkeit aufgedrängt, zur Unterbringung der schweren Verbrecher in Kaiserslautern ein größeres Gefängnis, ein Centralgefängnis”, zu bauen. Der Burghügel schien geeignet zu sein, und darum ließ man, „dass die Kaiserburg nicht vergessen werde”, eine Tafel anbringen: „Hier stand die Kaiserburg, 1152 von Kaiser Friedrich I. Barbarossa erbaut... An ihrer Stelle ward erbaut das Centralgefängnis der Pfalz 1821 bis 1825.” Es gibt Berichte aus der Zeit zwischen 1870 und 1900, in denen vom „Triumph der Humanität” die Rede ist. Im Gefängnis gab es ein Männerkapellchen und „für die Weiber” einen Betsaal. Bei „milder Behandlung und guter Pflege” werde den Insassen Obdach gewährt. An der Stelle des Haupthauses steht heute das Rathaus.

„Durch allerhöchsten Erlass vom 11. Februar 1909 wird die königliche Strafanstalt Kaiserslautern nach 84-jährigem Bestand mit dem 30. Juni 1909 aufgelöst”, war am 14. März 1909 in den Kaiserslauterer Zeitungen zu lesen. Das Männergefängnis, das wegen seiner runden Bauweise „Halbmond” genannt wurde, ließ die Stadt am 30. Januar 1939 sprengen. Das war die erste Maßnahme, die eine neue Platzgestaltung in Aussicht stellte.

Ein Teil der Gefängnisgebäude diente im Ersten Weltkrieg ab 1915 als Kaserne; daher kam die Bezeichnung „Schlosskaserne”. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die Räume der Schlosskaserne bis zum Abriss von der Stadtverwaltung genutzt. Die Gebäude der Schlosskaserne wurden zum Teil noch während des Rathausbaus Zug um Zug abgerissen und so eine neue Freifläche geschaffen.

Auf dem Willy-Brandt-Platz wird Holz gesägt und Schampus getrunken, Rosen und Reis werden gestreut, wenn die Paare aus dem „Fahrstuhl zum siebten Himmel”, aus dem Standesamt kommen. Und wenn dann die Sonnenuhr an der Treppe zum Casimirsaal noch einen kräftigen Schatten wirft, scheint dem Glück nichts mehr im Wege zu stehen. Nachts bleibt die Uhr allerdings stehen. Sie zeigt den konstanten Schattenwurf der Strahler, die den Casimirsaal überfluten. Der Schatten steht dann bei fünf vor zwölf. Spötter behaupten, das sei ein Hinweis für Rat und Verwaltung. Die Sonnenuhr wurde 1983 aufgestellt.

Die Metallplastik „Balance” von Lon Pennock kam nach dem Bildhauersymposion 2000 auf den Willy-Brand-Platz. In der Südwestecke ver-steckt sich in einer verwucherten Schmuddelecke der bunt besprayte Container der Luftüberwachung Rheinland-Pfalz. Die Daten werden online weitergeleitet und sind im Internet unter www.luft-rpl.de für jedermann einsehbar.

Bei der Übergabe des Designer-Klos am westlichen Treppenaufgang zum Platz wurde eine alte Lauterer Tradition gebrochen. Bevor sich die stählerne Schleuse des vollautomatischen Hygienesets öffnete und den Zugang zur wohltemperierten keimfreien Zelle freigab, durchschnitt der damalige Oberbürgermeister Bernhard Deubig ein blaues Band, kein rot-weißes, wie in Lautern bei Einweihungen und Kerweeröffnungen seit undenklichen Zeiten üblich. Das „Blaue Band” war eine alte Auszeichnung für die schnellste Atlantiküberquerung eines maschinengetriebenen Schiffs zwischen Europa und Nordamerika, ein Symbol für Geschwindigkeit. Steckte vielleicht doch ein Sinn hinter diesem Tabu?

Der heutige Willy-Brandt-Platz zu Beginn der 60er Jahre. Die beiden Fotos zeigen Abrissarbeiten an der Schlosskaserne, des ehemaligen Bayerischen Centralgefängnisses. Das Foto oben wurde von Süden, von der Fruchthalle her aufgenommen in Richtung ehemalige Schlossstraße. Der kleine Parkplatz ist heute noch erhalten. Das Foto unten zeigt das noch nicht abgerissene Haupthaus der Schlosskaserne. Das Rathaus steht exakt auf Höhe des wuchtigen Baus. REPROS: WESTENBURGER

Quelle: „Die Rheinpfalz“

 

Große Pläne seit Napoléon - Über die Gestaltung des Platzes am alten Theater wird seit 200 Jahren gestritten

Von Gerhard Westenburger

Platz_Theater BildDie Abrissfläche zwischen der Karstadt-Unterführung und dem Fackelwoog-Brunnen hat sich den Namen Alter Theaterplatz angeeignet. Das ist keine offizielle Bezeichnung. Die „Neue Mitte Kaiserslautern” soll dort entstehen. Das ist der vierte Versuch, die Nordseite der Fruchthallstraße zwischen der Fackelstraße und der Schneiderstraße attraktiver zu machen. Mit dieser städtebaulichen Gestaltung hätte man schon vor über 200 Jahren beginnen können, und dieser Innenstadtbereich hätte sich Zug um Zug entwickelt. Napoléon I. Bonaparte und der Lauterer Apotheker Johann Goswin Müllinghoff haben das verhindert.

Wenn es eine „Neue Mitte Kaiserslautern” geben soll, muss es auch eine alte Mitte geben. Und die ist und war etwa identische mit der Fußgängerzone, ausgehend vom Kreuzungsbereich Fackelstraße, Riesenstraße, Marktstraße, Kerststraße, den Lauterern noch vertraut als „Rieseneck”, wo ein beliebtes Gasthaus stand. Die Markstraße war die Hauptstraße in Alt Lautern. Die Straße begann - wie heute noch - bei der Einmündung der Fackelstraße und endete bei der Stiftskirche. Das Stück der heutigen Marktstraße zwischen der Stiftskirche und der Spittelstraße hieß früher Mittelgasse. In der Franzosenzeit von 1796 bis 1813/14 gingen die Leute in der Marktstraße durch die „Rue principale”, die Hauptstraße. Wo sich die Marktstraße bei der Stiftskirche aufweitet, war seit Mitte des 16. Jahrhunderts der Marktplatz. Das erste bekannte Rathaus stand seit 1516 in der Marktstraße. Ein neues Rathaus wurde 1776 an der heutigen Ecke Schneiderstraße/Marktstraße fertig gestellt.

Rathaus, Marktplatz, Kirche. Das ist Stadtmitte. Schon Ende des 18., Anfang des 19. Jahrhunderts war die Marktstraße überlastet. Die damaligen „Stadtingenieure” wollten eine Umgehung bauen, um die Hauptstraße zu entlasten. Es gab noch einen Grund: Die Heerstraße Napoleons sollte nördlich am Stadtkern, an der Marktstraße, vorbeiführen. Die Umgehung sollte, an der heutigen Situation dargestellt, etwa von der Ecke Fackelstraße/Ost-West-Achse bis zur Steinstraße führen.

Die Stadtingenieure stießen mit ihrer Idee auf massiven Widerstand. Es gab nämlich den geschäftstüchtigen Bürgermeister Johann Goswin Müllinghoff und einen hörigen Stadtrat. Müllinghoff wusste dieses Projekt der Stadtaufweitung nach Norden immer wieder zu verhindern. Während seiner ganzen Amtsperiode lag er im Streit mit den Stadtingenieuren. Müllinghoff war hauptberuflich Apotheker. Er trug sich mit dem Gedanken, an der Hauptstraße, der „Rue principale”, der Marktstraße, eine neue Apotheke zu bauen, die heutige Adlerapotheke. Er befürchtete, dass der Verkehr aus der Marktstraße abgezogen werden könnte und dass sich ein neues Geschäftszentrum entlang der Umgehung in der heutigen Fruchthallstraße bilden könnte.

Seit 1801 lag ein französischer Plan vor, nach dem die Fackel- und die Marktgasse die „Kaiserstraße” zu bilden hätten. Auf diesen Plan berief sich Müllinghoff. Das geht auch aus einem Plan von 1804 definitiv hervor. Es könnte sich so begeben haben: Als Napoleon 1804 durch Kaiserslautern kam, eilten ihm Bürgermeister Müllinghoff und der ihm ergebene Stadtrat, in devoter Haltung, entgegen und trugen dem Kaiser Müllinghoffs Plan vor, der mit dem Argument des französischen Plans von 1801 untermauert wurde. Wie aus einer Archivnotiz von 1910 hervorgeht, versicherte Napoléon, dass „alles beim bisherigen Zustand” bleiben werde. Die Zusage ist wörtlich überliefert: „Napoléon a donné au conseil municipal l'assurance gracieuse, que tout devra rester dans l'etat actuel." Die französische Ost-West-Achse war also die Marktstraße aus dem Jahr 1801. Die amerikanische Ost-Westachse stammt aus dem Jahr 1954.

An seiner neuen Apotheke ließ Müllinghoff um 1810 den Napoleon-Kaiseradler anbringen. So flattert er heute noch über dem Eingang der Apotheke. Die Lauterer nannten ihn „Welschhinkel”, was französisches Huhn bedeutet. Anfang des 19. Jahrhunderts war damit der erste Versuch gescheitert, den Stadtbereich entlang der heutigen Ost-West-Achse auszubauen und aufzuwerten.

In den 1920er Jahren unternahm Stadtbaumeister Hermann Hussong Versuche, die Marktstraße zu verbreitern. Das sei von „unabweisbarer Notwendigkeit”. Er scheiterte immer wieder am Stadtrat. Der Amtsschimmel trabte wegen dieses Ansinnens von 1923 bis 1925 im Ratssaal und in der Marktstraße herum.

Hussong nahm sich dann, vielleicht in Kenntnis der Müllinghoffschen Aktion, der bis dahin unbebauten Fläche an - die heutige Abrissfläche. Am 26. März 1929 wurde auf der Westseite der Grundstein zum Bau des Vereinshauses des Protestanten Vereins gelegt. Auf der Ostseite, etwa dort, wo heute der Fackelwoog-Brunnen steht, begann Hussong unverzüglich mit dem Bau des Protestantischen Frauenheims. Ein Kino, der Filmpalast, war eine attraktive Einrichtung des Hauses. Im Erdgeschoss gab es Läden. Nach dem Wiederaufbau des im Krieg teilweise zerstörten Gebäudes eröffnete das Pfalztheater am 30. September 1950 in dem ehemaligen Kinosaal die Spielzeit. Das „alte” Theater hat den Platz mit dem heute gebräuchlichen Namen beerbt. Diese Entwicklung seit Ende der 1920er Jahre war der zweite Versuch, den Bereich beim Fackelrondell zu beleben.

Der gesamte Komplex wurde 1999 abgerissen, ein Parkplatz eingerichtet, der zum Alten Theaterplatz wurde. Durch den Abriss hat sich wieder die alte Stadtperspektive ergeben, wie sie bis in die 1920er Jahre bestanden hat.

Das Kaufhaus Karstadt feierte am 1. Oktober 1976 Richtfest. Am 29. April 1977 wurde das neu gestaltete Fackelrondell offiziell seiner Bestimmung übergeben. Das war der dritte Versuch, den Bereich jenseits der Fruchthallstraße aufzuwerten. Die Hoffnungen wurden nicht enttäuscht. Das neue Kaufhaus war ein Magnet. Mit der Schließung schwand auch die Anziehungskraft, aus der Fackelstraße hinauszugehen. Und schon stellte sich wieder der alte Effekt ein: Erst mit dem Betreten der Fackelstraße empfindet man, in der City zu sein.

Am 16. Februar 1988 hat der Stadtrat beschlossen, einen Zweckverband zu gründen, mit dem Ziel, den Humbergturm abtragen zu lassen, um ihn in der vorgesehenen Boulevardzone zwischen der Stadtplatane und dem Fackelwoog-Brunnen wieder aufzubauen. Eine Beratung mit sachverständigen Bürgern ging voraus. Oberbürgermeister Theo Vondano hatte die Beschlussvorlage eingebracht. Die sachverständigen Bürger waren Mitglieder des Karnevalvereins, und die närrische Ratssitzung fand am Fastnachtdienstag statt. Vielleicht doch ein überlegenswerter Vorschlag. Massentourismus wäre Lautern sicher.

Quelle: „Die Rheinpfalz“

 

Wasserteppich für Schlittschuhläufer - Das Eisplätzchen auf dem heutigen Rathausareal bestand nur 25 Jahre

Von Gerhard Westenburger

Platz_Eis BildDas Eisplätzchen ist bei den vorbereitenden Arbeiten für den Rathausbau um 1963 nach und nach untergegangen. Das Eisplätzchen existierte nur 25 Jahre.

Auf dem Areal des heutigen Rathauses wurde von 1821 bis 1825 die königlich-bayerische Strafanstalt Kaiserslautern, das „Centralgefängnis der Pfalz für schwere Verbrecher" gebaut. In den Jahren 1857/1858 erweiterte die bayerische Regierung das Gefängnis mit einem „Weiberhaus”. Das Gefängnis wurde 1909 aufgelöst. Ein Teil der Gefängnisgebäude diente im Ersten Weltkrieg ab 1915 als Kaserne; daher kam die spätere Bezeichnung Schlosskaserne. Der Hauptbau des Gefängnisses wurde 1936 abgerissen.

Das Männergefängnis stand auf der Westseite des Areals zur Maxstraße. Den halbrunden Bau des Männergefängnisses nannten die Leute Halbmond. Den Halbmond ließ die Stadt am 30. Januar 1939 sprengen. So entstand das Eisplätzchen. Der Name wird hie und da heute noch verwendet. Das Rathaus steht für die ältere Generation Lauterer Bürger auf dem Eisplätzchen.

Eisplätzchen? Als der Halbmond gesprengt und die Fläche eingeebnet war, rückte erstmals im Winter 1940 die Feuerwehr an, belegte die sandige Fläche mit einem Wasserteppich, tags darauf mit einem zweiten und einem dritten, und Lautern hatte über Nacht eine Eislauffläche von gut einem halben Hektar. Der Betrieb lief ohne Aufsicht, ohne Versicherung und ohne Beschwerden bei der Stadt.

In den 1950er Jahren war das staubige Eisplätzchen Sportplatz für den Turnunterricht der Oberrealschule und des Gymnasiums. Zur Maxstraße stützte eine Sandsteinmauer den etwa sechs Meter höher gelegenen Platz. Wenn im Turnunterricht Fußballspielen erlaubt war und der Ball über die Mauer flog, musste das Spiel für mindestens zehn Minuten unterbrochen werden, bis der Ball aus der Maxstraße wieder herbeigeschafft war. Auch außerhalb des Unterrichts spielten die Buben in den 1950er FCK-Fußballjahren auf dem Eisplätzchen. Vier Steine markierten die Tore. Und die Bediensteten im Baracken-Landratsamt wehklagten über Staub und Lärm. Wo die Mauer stand, ist heute das als Böschung zum Rathaus hin angelegte Wiesenstück bei der Omnibushaltestelle.

Das Landratsamt, die heutige Kreisverwaltung, war in den 1950er Jahren in rasch errichteten Steinbaracken auf der Ostseite des Eisplätzchens untergebracht. Zuvor hatte das Landratsamt am Stiftsplatz im alten Theodor-Zink-Museum seinen Sitz. Das Gebäude wurde 1951 abgerissen, und das Landratsamt belegte dann Teile der Landesgewerbeanstalt, der heutigen Pfalzgalerie. Von den Eisplätzchen-Baracken zog die Verwaltung schließlich in den Neubau an der Lauterstraße. Einweihung war am 12. Oktober 1960. Die Baracken wurden Zug um Zug abgerissen. Und mit dem Rathausneubau ist das Eisplätzchen untergegangen.

Eisplätzchen war nie ein offizieller Name. Vielleicht ist er in den offiziellen Einsatzprotokollen der Feuerwehr erwähnt: Aufbringen einer Wasserfläche auf dem Eisplätzchen.

Mitte der 1930er Jahre hielt die Stadt unterhalb des späteren Eisplätzchens, wo sich heute der kleine Parkplatz an der Maxstraße befindet, einen Christbaummarkt ab. Es gab auch zwei, drei Buden mit Holzspielsachen aus Thüringen und einen Stand mit Blechspielsachen. Dieser Christbaummarkt wurde vorher auf dem Maxplatz, also auf der Nordseite der Gefängnisgebäude, der Schlosskaserne, abgehalten, wo er offensichtlich nicht so gut angenommen worden war.

Quelle: „Die Rheinpfalz“

 

Fast keiner kennt den Namen - Der Guimarães-Platz am Hauptbahnhof wurde nach der portugiesischen Partnerstadt benannt

Von Gerhard Westenburger

Platz_Guimares Bild1Der Platz vor dem Hauptbahnhof heißt Guimarães-Platz. Er ist nach der Stadt Guimarães benannt. Das ist die portugiesische Partnerstadt Kaiserslauterns. Der Platz trägt seinen Namen seit Mai 2004.

Von zehn Befragten am Hauptbahnhof kennen acht den Namen nicht oder stottern ihn nach deutscher Manier Buchstabe für Buchstabe vom Platzschild herunter. Der Heimatverbundene: „Hieß nicht die Gemahlin Barbarossas Guima oder war es die von dem Casimir?” Der politisch Interessierte: „Irgendeine Stadt, aber sprechen Sie mich bitte nicht auf die Griechen an, denen haben wir doch den ganzen Schlamassel zu verdanken. Umbenennen müsste man den Platz”. Der Pendler: „Ich pendle seit zwei Monaten zwischen Pirmasens und Kaiserslautern. Mir ist egal, wie der Platz heißt. Er ist wunderschön, sehr großstädtisch und elegant. Als Entree verspricht er aber mehr als Kaiserslautern halten kann.”

Der großzügig gestaltete Guimarães-Platz verliert sich. Er scheint sich mit der Bahnhofstraße und der Richard-Wagner-Straße zu verzahnen. Das ist kein Nachteil. In seiner Weitläufigkeit präsentiert er Stadtkulisse vom historischen Hotel-Brenner-Komplex über die Stahlskelettkonstruktion des 1930 erbauten Hauptpostamts mit der roten Ziegelsteinvertäfelung bis zum Omnibus-Bahnhof.

Der Brenner-Komplex wurde 1906 als Bahnhofshotel gebaut. Mit der restaurierten gelblichen Buntsandsteinfassade schmückt er den Platz. Der Denkmalschutz bezeichnet die Fassade als „qualitätsvoll gestaltet im Dekorationssystem des reinen Jugendstils”. Die beiden Schauseiten des Brenner-Eckhauses zum Guimarães-Platz und zur Richard-Wagner-Straße werden als „prächtig dekoriert” beschrieben. Sie bilden einen städtebauliche Kontrast zur streng kubisch und funktional gestalteten „Rasterfassade” des Postgebäudes, schreibt der Denkmalschutz.

Die beiden so unterschiedlichen Bauperioden, die Jugendstil-Fassade des ehemaligen Bahnhofshotels und die Rasterfassade des reinen Funktionalismus liegen keine 30 Jahre auseinander. Zusammen mit dem Blick weit in die Richard-Wagner-Straße hinein lässt sich ein Stückchen Lauterer Stadtentwicklung ablesen. Der Brunnen mit seinen drei Düsenreihen hat keinen offiziellen Namen. Er ist der Brunnen auf dem Guimarães-Platz.

Platz_Guimares Bild2Der Platz erhielt am 13. Mai 2004 seinen Namen. Gewidmet wurde er am 26. September 2006. Das heißt, die verkehrsrechtliche Bedeutung und Regelung wurden damit festgelegt. Die offizielle Einweihung war bereits am 2. Februar 2006. Zusammen mit dem Oberbürgermeister von Guimarães, Antonio Magalhaes, enthüllte der damalige Kaiserslauterer Oberbürgermeister Bernhard Deubig das Platzschild. Mit Gesang und Tanz begleitete die Rancho Folclorico Portugues de Kaiserslautern die Zeremonie. Die Städtepartnerschaft mit Guimarães besteht seit September 2000. Sie ist auf die Aktivitäten der portugiesischen Gemeinde in Kaiserslautern und das Engagement des portugiesisch-deutschen Freundeskreises zurückzuführen.

Das ehemalige Bahnhofshotel erinnert an den Platz vor dem Hauptbahnhof, an den alten Bahnhofsplatz oder Bahnhofsvorplatz, wie er auch hieß und wie es ihn in vielen Städten gibt. Die Eisenbahn kam 1848 nach Kaiserslautern. Eine namenlose Straße zum Bahnhof legte die Stadt bereits 1847 während der Bauzeit der Eisenbahnanlagen an. Die Straße er-hielt erst 1879 den Namen Bahnhofstraße, weil die heutige Riesenstraße diesen Namen hatte. Das reich gegliederte Hauptbahnhofgebäude mit seinem Säulenentree wurde 1876 gebaut. Zu seiner Zeit war auch der Bahnhofsplatz ein Stück schönes Kaiserslautern. Im Hauptbahnhof gab es eine hervorragende Restauration, eine beliebte Gaststätte, um Hochzeiten, Jubiläen und Geburtstage in größerem Rahmen zu feiern. Am Hauptbahnhof hielt die Straßenbahn. Die Linie führte über den Pfaffplatz und das Fackelrondell bis zum Friedhof in der Mannheimer Straße. Der Verkehr dieser Linie lief vom 19. Dezember 1916 bis 31. Juni 1935.

Am 18. Dezember 1944 wurde der Bahnhof bei einem Luftangriff völlig zerstört. Bis zum Aufbau des neuen Bahnhofs, 1958, begnügte sich Kaiserslautern mit den Bahnhofsbaracken.

Der alte Hauptbahnhof: Unvergessliche Szenen bei der Verabschiedung der Soldaten, als sie 1939 an den Westwall befohlen wurden. Die Bahnhofsbaracken: Unvergessliche Szenen der Hamsterer in den 1940er Jahren, Abfahrt mit Fuggerware, Zigaretten, Tafelsilber und Textilien, Ankunft mit einem Säckchen Kartoffeln und ein paar Zuckerrüben, aus denen Sirup gekocht wurde. Unvergessliche Szenen bei der Ankunft der Russlandheimkehrer.

In einem Auszug aus dem Kaiserslauterer Stadtführer 1902 bei der Beschreibung des Hauptbahnhofs heißt es: „Am 7. August 1870 traf der König Wilhelm mit dem großen Generalstab auf dem hiesigen Bahnhof zu einem halbstündigen Aufenthalte ein. Man konnte da die meisten großen Männer vor sich sehen, denen Deutschland seine Wiederherstellung verdankt. Am meisten wurden außer dem Könige Bismarck, Moltke, Roon und der bayerische Prinz Luitpold beachtet und begrüßt. Heller Jubel entstand, als der Graf von Bismarck-Bohlen an den König trat und die eben eingetroffene Depesche von Siegen der Deutschen bei Wörth und am Spicherer Berge verlas. Da fährt ein Stück Weltgeschichte, sagte sich damals jeder, als der Zug unter brausenden Hochrufen den Bahnhof verließ, nach Frankreich zu."

Wunderschönes Kaiserslautern: der alte Hauptbahnhof. Die Aufnahme oben zeigt ihn im Jahr 1935. Die Straßenbahn fuhr noch bis Juni 1935, dann bediente die Stadt den öffentlichen Personennahverkehr mit Dieselbussen. Der Bahnhofsvorplatz ist noch gepflastert. Das Bild unten zeigt den Hauptbahnhof Ende der 1930er Jahre. Die Straßenbahnschienen sind abgebaut und eingeschmolzen, der Platz ist asphaltiert. REPROS: WESTENBURGER

Quelle: „Die Rheinpfalz“

 

Eine mobile Reklametafel schwankt im Wind - Der St.-Marien-Platz erhielt 1925 offiziell seinen Namen - Kleines Rasenstück lädt nicht zum Verweilen ein

Von Gerhard Westenburger

Platz_Marien BildDer St.-Marien-Platz entbehrt einer wesentlichen Eigenschaft: Er ist keine zusammenhängende Freifläche, wie man sich einen Platz vorstellt. Der Platz ist zersägt vom fließenden Verkehr der Rudolf-Breitscheid-Straße und der Königstraße, und der ruhende Verkehr belagert Teilflächen bei der Marienkirche und vor der Wohnanlage auf der Westseite.

Die Marienkirche ist der zentrale Punkt des St.-Marien-Platzes, der sich hauptsächlich auf der Nord- und der Westseite der Kirche ausbreitet. Auf dem Stadtplan von 1887 ist der Bau als „Neue projectierte kath. Kirche” westlich der Moltkestraße in das Flurstück „Im Haag” eingezeichnet. Die Marienkirche wurde von 1887 bis 1892 erbaut. Als sie vollen-det war, legte die Stadt noch 1892 den ursprünglichen Marienplatz an. Bei der Kirche gibt es noch ein paar Hausnummernschilder aus Emaille mit der alten Bezeichnung Marienplatz. Nach dem Kirchenbau wurde das tiefer liegende Gelände auf der Westseite nur teilweise aufgefüllt. Im weiteren westlichen Umfeld, „Im Haag”, gab es immer noch Gartenparzellen. Erst 1925 erhielt der Platz den offiziellen Namen St.-Marien-Platz, nachdem weitere Flächen aufgefüllt und trockengelegt worden waren.

Von 1938 bis 1945 hieß er Ludendorffplatz. Von der städtebaulichen Situation her war die Lage der Marienkirche im Westen der Stadt mit der 1883 im Osten, ebenfalls auf noch freiem Gelände, erbauten Synagoge zu vergleichen. Beide Gotteshäuser waren Signale, die anzeigten, wie sich die Stadt weiterentwickeln sollte.

Auf der Westseite der Marienkirche erinnert ein kaum zehn Meter breiter und 30 Meter langer Rasenzipfel an den alten Marienplatz. Die ehemalige Luitpoldstraße verlief dort bescheidener als heute die Rudolf-Breitscheid-Straße. Das Rasenstück lädt nicht zum Verweilen ein. Es gibt keine Bänke und der Verkehrslärm stört. Drei Altglascontainer lauern auf weiße, braune und grüne Flaschen. Eine mobile Reklametafel schwankt im Wind und wedelt einer Luftüberwachungsstation des Landes die Abgase der verkehrsintensiven Umgebung zu. Zwei Schildchen verbieten den Hunden das Beinchen zu heben. Die Täfelchen sind in 30 Zentimeter Höhe angebracht. Herrchen kann sie kaum lesen, Hundchen vielleicht eher.

Nach dem Bau der Marienkirche blieb das Areal westlich davon noch etwa 30 Jahre ungenutzt. Nach dem Ersten Weltkrieg begann sukzessive die Erschließung des heutigen Stücks der Königstraße von der Kirche bis zum früheren Pfaffwerk. Gegen Mitte der 1920er Jahre war das heutige Königsviertel bereits ein at-traktiver neuer Stadtteil. Um das neue Stadtviertel gegen die Marienkirche erkennbar abzugrenzen und den St.-Marien-Platz zu akzentuieren, sollte der westliche Teil des Platzes, das heutige Wiesenstückchen und die Parkplätze vor der Wohnanlage, Abstand schaffen. Stadtbaumeister Hermann Hussong errichtete daher 1924/25 die Bau AG-Wohnanlage St.-Marien-Platz 13. So verhalf er der „Weststadt” - der damals gebräuchliche Begriff - zu einem repräsentativen Entree.

Über den alten Marienplatz führte vom Hauptbahnhof her seit 1916 die Straßenbahnlinie 1 durch die Luitpoldstraße zum Pfaffplatz und dann zur Innenstadt. Bis auf wenige gepflasterte Straßen im Zentrum und am Bahnhof waren noch in den 1920er Jahren die meisten Straßen nur geschottert und gesandet, so auch die Luitpoldstraße, die heutige Rudolf-Breitscheid-Straße und der Marienplatz. Wegen der vielen Schottersteine in den Schienen sprang die Straßenbahn öfter aus der Spur. Eine Eisenstange gehörte zur Grundausrüstung. Fahrgäste und Schaffner hoben das Gefährt mit vereinten Kräften wieder in die Schiene.

Quelle: „Die Rheinpfalz“

 

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