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Alte Stadtansichten Album 24

Im Februar 1886 wurde die Synagoge eingeweiht.

Bild211Am 9. Oktober 1938, einen Monat vor der Reichspogromnacht, haben die Nazis die Synagoge gesprengt. Weil Lautern Gauhauptstadt werden sollte, wollten die Nationalsozialisten die Fischerstraße, die damalige Dr.-Frick-Straße, für Aufmärsche verbreitern. Unter diesem fadenscheinigen Vorwand zwangen sie die jüdische Gemeinde, ihre Synagoge an die Stadt zu verkaufen. Der Haupteingang der Synagoge war auf der Westseite in der Luisenstraße. Die Postkartenaufnahme des Verlags Wilhelm Wiebelt wurde in den 1890er Jahren gemacht. Das Foto, aufgenommen von der Schubertstraße aus, zeigt nach rechts die Ostseite und nach links die Südseite der Synagoge. Das untergegangene Sträßchen Am Stadtweiher führte vom Stiftsplatz direkt zum Haupteingang. Das Haus rechts mit dem Krüppelwalmdach, dicht bei der Synagoge, gehörte der Druckerei Berg in der Fischerstraße. Die Synagoge war eine der schönsten in Deutschland. Das Umfeld war zur Zeit der Aufnahme städtebaulich noch nicht geordnet. Nach Osten, in Richtung Friedrichstraße, gab es einige tieferliegende Gärten und vor allem feuchtes Wiesengelände. In gewissem Sinn war der Bau der Synagoge richtungweisend dafür, wie die Stadtentwicklung nach dem Erweiterungsplan von Eugen Bindewald in diesem schwierigen Terrain weitergehen könnte. In den 1920er Jahren entwickelte Stadtbaumeister Hermann Hussong Fundierungen, die eine Bebauung nach Osten bis zur Wilhelmstraße ermöglichten.

Ausgerissene Eber und übende Autofahrer

Der Messeplatz ist eine zufällige Restfläche und ab 1950 Zug um Zug entstanden
Von Gerhard Westenburger

Platz_MesseDer Messeplatz ist eine zufällige Restfläche, kein Produkt langfristiger Stadtplanung. Der Platz ist unbebautes Terrain des ehemaligen Lautertals im Osten der Stadt. Eine Randbebauung hat sich seit Ende der 1920er Jahre und dann wieder ab den 1950er Jahren Zug um Zug ergeben. Es entstand ein Areal, das zunächst Messegelände und dann Messeplatz genannt wurde.

Vom Referat Stadtentwicklung ist zu erfahren, dass keine aktuellen städtebaulichen Maßnahmen, das Platzgelände betreffend, anstehen. Die Fläche müsse als multifunktionaler Raum zur Verfügung stehen. Der Abriss der Landwirtschaftshalle auf der Südseite des Platzes sei, auf längere Sichte gesehen, als städtebauliche Veränderung angedacht. Der Stadtrat hat jetzt beschlossen, den Messeplatz ab 2012 als Parkfläche zu bewirtschaften. Das Referat Tiefbau wird Parkautomaten aufstellen. Parken auf dem Messeplatz war bisher kostenlos. Das Park-and-Ride-System vom Messeplatz zum Fritz-Walter-Stadion wurde bereits nach der Fußball-Weltmeisterschaft im Jahr 2006 eingestellt.

Von der Tannenstraße bis zum Damm der Nordbahn gab es noch Anfang der 1950er Jahre teilweise verwilderte Gartenparzellen, die einige Meter unter dem Niveau der Altenwoog- und der Tannenstraße lagen. Während des Kriegs war das Schützenpfädchen von der Tannenstraße her für die Lausbuben ein Tipp, wenn es ums Karottenklauen in den Gärten ging. Das Schützenpfädchen erschloss die tiefer liegenden Gärten.

Markante Elemente des weiträumigen Areals waren seit Ende der 1920er Jahre auf der Westseite das 1927 eingeweihte Kloster und die 1929 eingeweihte Wallfahrtskirche Maria Schutz. Die Nachteile des sumpfigen Geländes bekam insbesondere die Wohnbebauung auf der Westseite ab 1952/1953 zu spüren. Der Bahndamm schottet das Gelände schon seit 1875 nach Osten ab. Auf der Nordseite kam 1928 der Grüne Block der Bau AG dazu, nach und nach gewerblich genutzte Flächen und weitere Wohnbebauung. Im Süden war das Gelände offen bis zum Wasserwerk an der Barbarossastraße. Die Landwirtschaftshalle begrenzt dort den Platz seit 1954.

Mit der Teilnahme am europaweiten „Wettbewerb für energieoptimierte und ökologische Stadtsanierung” hielt die Stadt Ausschau nach den besten Ideen, dem Platz ein neues Gesicht zu geben. Der Wettbewerb sollte bis Ende 2001 erste Ergebnisse bringen. Offensichtlich verlief die Umsetzung aus finanziellen Gründen im Sand.

Das verhältnismäßig breite und sumpfige Tal der Lauter verlief - kaum noch zu erkennen - auf der Ostseite des Bahndamms zum heutigen Volkspark, entlang der Entersweilerstraße zur Lauterspring. Im Verlauf des Flüsschens gab es zahlreiche Wooge. Der Sauwoog, der Steinwoog, der Benderwoog und einige andere Wooge „oberhalb der Stadt” wurden auf Anordnung des Stadtrats in den 1770er Jahren abgelassen, weil man befürchtete, dass aus dem „bruchigen” Wasser „das Fieber” über die Stadt kommen könnte.

Ende 1952, Anfang 1953 tauchte das Wort Messeplatz erstmals im Stadtrat auf. Das war die Diskussionsphase über den Bau einer Landwirtschafts- und Viehversteigerungshalle, die dann im November 1954 eingeweiht wurde. Der Rat beschloss, einen Messeplatz herzurichten. Im Sprachgebrauch, in Zeitungsberichten und Aktennotizen war ursprünglich immer die Rede von einem „Messegelände”. Die Arbeiten zum Ausbau des Platzes liefen 1953 von der Bismarckstraße her an. Pfahlreihen wurden in den Boden gerammt, um die Abgrenzung zum Straßenraum zu markieren. Die Fläche wurde teilweise eingeebnet, zur Entwässerung wurden Gräben gezogen. Erdwälle wurden aufgeschüttet und für Tiefbauarbeiten Löcher gegraben. Es galt überwiegend, diese Flächen aufzufüllen. Der Gartengrund wurde zuvor ausgebaggert und auf den Friedhof verfrachtet.

Die Arbeiten kamen nur im Schneckentempo voran. Die Kosten stiegen wegen des ständig einfließenden Wassers, und die Stadt schien die Baustelle Messeplatz etwas aus den Augen verloren zu haben. Dann gab es im Sommer 1953 wieder einen Schub: Innerhalb von sechs Wochen hatte die Firma Gehlen mit 200 Arbeitern 20.000 Quadratmeter Fläche mit 10.500 Tonnen Stücksteinen, Schotter und Teer belegt. Am 7. Oktober 1953 war der erste Bauabschnitt des Messeplatzes fertig, und der reichte aus, um die Oktoberkerwe 1953 aufzunehmen. Seit dieser Zeit ist der Messeplatz Kerweplatz.

Baufortschritte beim neuen Messeplatz gab es nur noch sporadisch. Und wer war schuld an der Misere? Das Wasser. Überall begannen Quellen aus dem Boden zu sprudeln, und das schwere Baugerät versank im Morast. Beim Nordbahndamm sollte ursprünglich ein Parkplatz für 400 Autos gebaut werden. Das Gelände blieb aber zunächst noch Wildnis mit tiefen Wasserlöchern, Quellen, Schilf und sommerlicher Mückenplage. Aus einer städtischen Notiz geht hervor, dass am Bahndamm 1953 noch sechs Familien in selbst gebauten Lauben wohnten. Der Stadtrat stellte nach einer Pause von zwei Jahren 1955 fest, dass die „Ausdehnung” des Platzes „unzulänglich” sei, und der Rat beschloss im Oktober 1955, den Messeplatz zu erweitern. Hauptsächlich auf der Nordseite musste die Stadt Privatgrundstücke kaufen. Nach zwei Jahren, 1957, war der Messeplatz in seiner heutigen Größe fertig.

Als der Platz mit seiner asphaltierten Oberfläche fertig war, gab es Ärger: Landfahrer-Rastplatz nahe dem Bahndamm, spielende Kinder und ohne Führerschein übende Autofahrer mussten aufeinander Rücksicht nehmen, Abstellplatz für Lkws und hie und da Zuflucht für aus der Landwirtschaftshalle ausgerissene Bullen, Eber und Schafe, die sich der Versteigerung widersetzten. Alle gerieten sich in die Wolle: die Stadt mit den ungebetenen Gästen auf dem Platz, die Anwohner mit den Landfahrern, die Kinder mit den Autofahrern und die „Damen” in ihren komfortablen Wohnwagen mit der Polizei. Anwohner beschwerten sich über abgehackte Hühnerköpfe, die angeblich die Landfahrer hinterließen, über die „Bedürfnisanstalt Messeplatz”. Auch Schlingen seien ausgelegt, um Wild zu fangen, Knochen und Innereien zögen Ratten an, im Springbrunnen des Wasserwerks in der Barbarossastraße werde Wäsche gewaschen, und an allem sei die Stadt schuld. Aus dem Messeplatz war ein Messie-Platz geworden.
 

Kurz bevor die Gebäude der Brauerei Marhoffer bei der Altstadtsanierung abgerissen wurden,

Bild212hat das Referat Stadtentwicklung die maroden Gebäude aus verschiedenen Perspektiven fotografisch dokumentiert. Diese Aufnahme zeigt die Südseite der alten Brauereigebäude, ein Stück Innenstadt, wie es vor 40 Jahren, 1972, noch existierte. Die alten Braugebäude standen in der ehemaligen Kirchenstraße, der heutigen Unionstraße, auf der Südseite der Kleinen Kirche. Der Kirchturm oben in der Bildmitte ist eine Orientierungshilfe. Auf der linken Seite, außerhalb des Fotos, verläuft heute die Martin-Luther-Straße. Das gesamte Areal musste die Stadt flächensanieren. Die Backsteingebäude der Brauerei wurden um 1860 vom Bierbrauer Karl Marhoffer aus Meisenheim gebaut. Die Braurechte haben die Erben 1936 an die Bayerische Brauerei Kaiserslautern (BBK) übertragen und der Braubetrieb wurde nach und nach bis Ende der 1930er Jahre eingestellt. Karl Marhoffer hat im Zusammenhang mit dem Brauereineubau das historische Gasthaus „Zu den drei Königen” in der Steinstraße 5 aus dem Jahr 1740 erworben. Das Haus hieß später Hotel Donnersberg. Napoleon soll dort einmal gefrühstückt haben. Das Gefolge des Königs Maximilian soll 1816 im Hotel Donnersberg übernachtet haben. 1843 soll Victor Hugo zu Gast gewesen sein, steht in der Stadtgeschichte. Karl Marhoffer hatte also um 1860 eine traditionsreiche Gaststätte erworben, die zur Marhofferschen Hausgaststätte in unmittelbarer Nähe seiner Brauerei wurde.

„Der Saal des Protestantischen Gesellschaftshauses am Fackelrondell

Bild213soll zu einem Lichtspielhaus umgebaut werden”, stand am 20. Juni 1937 in der Zeitung. Lautern bekam einen Filmpalast mit 800 Plätzen. Eröffnung war am 3. September 1937 mit dem Film „Sieben Ohrfeigen”. Das Gebäude wurde bei dem Nachtangriff vom 28. auf 29. September 1944 derart beschädigt, dass der Filmbetrieb eingestellt werden musste. Nachdem die Bombenschäden beseitigt worden waren, zog im September 1950 das Pfalztheater ein. Von der Terrasse mit der noch teilweise erkennbaren Aufschrift „Stadtkaffee”, links im Bild, hatte man einen schönen Blick auf das Fackelrondell, auf dem im April 1939 der Fackelwoog-Brunnen eingeweiht worden war. Die Aufnahme aus Privatbesitz wurde im Sommer 1939 gemacht. Damals lief der Abenteuerfilm „Der Tiger von Eschnapur”, der im Februar 1938 im Ufa-Palast in Berlin uraufgeführt worden war. Den Komplex mit dem Gebäudeteil des ehemaligen Protestanten-Vereins, in dem der Filmpalast eingerichtet war und dem Gebäudeteil des ehemaligen Protestantischen Frauen-Vereins auf der Ostseite, hat Hermann Hussong 1928/1929 gebaut. Die Stadt hat die Gebäude 1999 abgerissen. Auf der Fläche soll nun die Neue Stadtmitte entstehen. Grundsteine wurden beim Abriss nicht gefunden. Theodor Zink hielt bei der Grundsteinlegung die Festansprache. In der Urkunde stand, das Fackelrondell liege an der „Heerstraße der Weltgeschichte”. Vielleicht hat der Verfasser an Napoleon gedacht.

Niemand weiß, wo sie zu finden sind

Lauterer plätze (18): Einige haben nie im Straßenverzeichnis gestanden, andere haben einen offiziellen Namen, sind aber völlig unbedeutend
Von Gerhard Westenburger

Von Artillerieplatz bis Zeppelinplatz gab und gibt es in Kaiserslautern Plätze, die untergegangen sind, die nie im Straßenverzeichnis standen und Plätze, die geplant waren, aber nicht ausgebaut wurden. Es gibt auch Plätze, die zwar einen offiziellen Namen haben, die aber so klein und unbedeutend sind, dass niemand so recht weiß, wo sie zu finden sind.

Gab es einen Artillerieplatz? Wo war der Kaiser-Rudolfs-Platz, wo war der Schöen-Platz mit diesen eigenartigen Schreibweisen? Wo war der Kerweplatz, der Friedensplatz, und wo war der Barbarossaplatz, wo der Jahn-Platz? Der alte Mainzer Thorplatz ist leicht auszumachen. Bei der Frage nach dem Zeppelinplatz wird es schon etwas schwieriger.

Der Artillerieplatz wird in einem Straßenverzeichnis von 1966 als „im Bereich Königstraße” angegeben. In anderen Aufzeichnungen ist er als „entlang der Königstraße” oder „bei der Königstraße” zu finden. Der Platzname taucht als eine auszubauende Fläche erstmals 1913 auf. Die Königstraße erhielt ihren Namen bereits 1896. Die Straßen im Umfeld tragen Namen von Generälen und Feldherren aus dem 1870er Krieg. Warum sollte man 1913 nicht auf die Idee gekommen sein, wenigstens einen Teil der bis dahin noch freien Fläche zwischen der Marienkirche und dem Pfaffwerk als Artillerieplatz zu bezeichnen? Die Bebauung des heutigen Königsviertels begann erst nach dem Ersten Weltkrieg, und Königsplatz (Artillerieplatz?) ist heute noch keine offizielle Bezeichnung.

Mit dem Kaiser-Rudolfs-Platz hatte die Stadt König Rudolf von Habsburg, dem Verleiher der Stadtrechte, wieder mal die Kaiserkrone aufgesetzt. Die Bezeichnung „Kaiser Rudolf” geisterte seit einem Führer aus den 1890er Jahren durch Stadtpläne und Stadtführer. Soweit auszumachen ist, findet sich diese falsche Bezeichnung in einem offiziellen Stadtplan von 1912 zum letzten Mal. Die Fläche des Kaiser-Rudolfs-Platzes hieß vorher Schlosswiese. Der Platz lag an der Burgstraße, bei der Einmündung der Meuthstraße.

Der Schöen-Platz ist in dieser Schreibweise noch im Straßenverzeichnis und auf dem Stadtplan von 1902 zu finden. Zehn Jahre später, auf dem Stadtplan von 1912, vor hundert Jahren, ist der Platz nicht mehr eingezeichnet. Er lag etwas westlich des Kaiser-Rudolf-Platzes, dort, wo heute die Mühlstraße, die Burgstraße und die Schoenstraße auf der Ostseite der ehemaligen Kammgarn zusammentreffen. Der Platz war nach Jean Schoen, dem elsässischen Textilfachmann und ersten Betriebsleiter der Kammgarn, benannt.

Hermann Hussong hatte 1925 den Ausstellungspark an der Entersweilerstraße gebaut. Auf der Nordseite der großen Halle wurde eine Fläche für einen „Vergnügungspark” angelegt. Am 18. Mai 1928 startete auf diesem Platz die Maikerwe. Von da an sagten die Leute „Kerweplatz”. Der Platz war mit einem Holzzaun und zur heutigen Donnersbergstraße hin mit einem Drahtzaun eingezäunt. Der Zugang wurde nur zur Maikerwe und zur Oktoberkerwe geöffnet. Mit dieser Art Vergnügungspark wussten die Lauterer nichts anzufangen. Bis 1935 wurden die Mai- und Oktoberkerwen draußen bei der Ausstellung auf diesem Kerweplatz abgehalten, 1936 kam die Kerwe wieder mitten in die Stadt, auf den Maxplatz. Das Gelände hinter der ehemaligen Zentralhalle wird heute größtenteils vom Betriebshof der Verkehrs-AG der Stadtwerke eingenommen.

Der Barbarossaplatz zog sich von der Einmündung der Fabrikstraße in die Barbarossastraße bis auf Höhe der heutigen Abzweigung des Barbarossarings von der Barbarossastraße. Auf der Nordseite war er von der Augustastraße begrenzt. Der Barbarossaplatz war auch einmal Kerweplatz und zwar von 1913 bis zur Oktoberkerwe 1927. Bei der Maikerwe 1913 wurden auf dem Barbarossaplatz erstmals Dampfmaschinen eingesetzt, um Karussells anzutreiben. Auf dem größten Teil des Platzes baute die Stadt 1928 die damalige Milchzentrale. Die Jahrmärkte mussten weichen. Ein kleiner Rest des östlichen Platzteils blieb noch bis zum Ausbau der Abzweigung des Barbarossarings erhalten.

Die genaue Lage des Friedensplatzes ist nicht mehr auszumachen. Der Name wird Ende des 19. Jahrhunderts in verschiedenen Wegbeschreibungen in die Umgebung und nochmals 1912 erwähnt. So heißt es beispielsweise bei einer Wegbeschreibung zur Eselsfürth: „Man geht, durch seine große Leichenhalle bemerkbaren Kirchhof, nach dem Friedensplatz vorbei...und von da an durch schönen Wald bis Eselsfürth...”. War die heutige Parkfläche auf der Westseite des Hauptfriedhofs der Friedensplatz?

Das Areal des Mainzer Thorplatzes heißt seit 1983 Mainzer Tor. Die Mainzer Straße erhielt 1810 ihren Namen. Der alte Platzname stammt wohl aus dieser Zeit. In den Stadtplänen der 1920er und 1930er Jahren ist an dieser Stelle eine namenlose Fläche eingezeichnet. Im Stadtplan von 1944 steht erstmals - in modernerer Schreibweise - wieder Mainzer Tor Platz.

Der Jahn-Platz, benannt nach Turnvater Jahn, der bis in die 1930er Jahre in die Stadtpläne eingezeichnet war, ist noch gut auszumachen: Es handelt sich um die Fläche auf der Südseite der Entersweilerstraße zwischen dem Volkspark und der Eisenbahnlinie. Später hieß der Platz offiziell „Städtischer Spielplatz”. Auf diesem staubigen Platz wurden nach dem Krieg in den 1940er und 1950er Fritz-Walter-Jahren die Lauterer „Fußball-Eckenspiele” ausgetragen, oft sogar mit einem Gummiball. Die Tore waren mit Steinen markiert. Die Mannschaften bestanden meist aus nur sechs oder acht Spielern.

Der Zeppelinplatz trägt seinen Namen seit 100 Jahren. Es ist die kleine Fläche im Dreieck Ohlkasterhohl, Benzinoring, Gersweilerweg, die 1912 so benannt wurde. Heute ist sie auf der Westseite mit Parkbuchten belegt. Wer den Illinois-Place, den Indiana-Place und den Colorado-Place sucht, muss sich auf der Vogelweh umsehen.
 

Über Jahrhunderte mit jeder Idee kokettiert

Der Stiftsplatz erhielt am 21. März 1879 seinen Namen - Markthalle ein Dauerthema
Von Gerhard Westenburger

Platz_Stifts011Der Stiftsplatz liebäugelte mit jeder Idee, die im jemals angetragen wurde: Gärten der Prämonstratenser, Badestuben, Marktplatz, Versammlungsort, Banken, Kerwetreiben, Fasnachtsmarkt, Parkplatz, Tiefgaragen, Hotels und einiges mehr hat ihm Kaiserslautern zugestanden.

Mit vielen Ideen hat der Platz kokettiert. Eine Markthalle hatte er sich gewünscht, und mit dem 23er Denkmal wollte er sich schmücken. Mit einem Rathaus auf der Südseite wollte er sich Respekt verschaffen. Den Weihnachtsmarkt hat er auch nicht bekommen - noch nicht. Und seit 2002 deckt ein neuer Plattenbelag aus China die ganze Geschichte zu.

Der Stiftsplatz ist einer der schönsten Plätze in Kaiserslautern, jetzt großzügig gestaltet und mit dem neuen Hotel auf der Nordseite gegen den Verkehrslärm der Ost-West-Achse abgeschirmt. Der Stiftsplatz steht nicht mehr in der Galerie der Lauterer Dauerbrenner. Aus verschiedenen Positionen kann man auf ein paar Jahrhunderte Stadtgeschichte zurückblicken, auf die Stiftskirche und auf die Martinskirche. Der Wochenmarkt gehört zum Stiftsplatz. Selbstbewusst und ein bisschen eitel präsentiert er ihn an über 100 Tage im Jahr dienstags und samstags.

Am 21. März 1879 erhielt der Stiftsplatz seinen Namen. Dass bei der Namensfindung des Platzes, der bis dahin Neuer Markt hieß, das ehemalige Stift eingebracht wurde, war selbstverständlich. Alle „Stifts-Namen” rund um den Platz gehen auf Barbarossas Stiftung des Hospitals der Heiligen Maria aus der Zeit um 1176 zurück.

Im Jahr 1909 ließ die Stadt den Stiftsplatz mit Granit-Pflastersteinen aus Albersweiler pflastern und mit Platanen dekorieren. Das war moderne Platzgestaltung und ein Fortschritt in der Stadtentwicklung. Von einer wesentlichen Veränderung im Jahre 1964 war nicht nur das Umfeld des Stiftsplatzes betroffen, sondern der Platz selbst. Das Pflaster aus dem Jahr 1909 wurde herausgerissen, die Platanen abgehackt und der ruhende Verkehr zog ein. Die vom Referat Grünflächen der Stadt im Jahr 2004 neu gepflanzten Kastenlinden gedeihen prächtig, und sie schmücken wieder den Platz.

Platz_Stifts022Seit 651 Jahren ist das Stiftsplatz-Areal in städtischem Besitz. Das von Barbarossa gestiftete Spital ging am 28. Juli 1360 an die Stadt Kaiserslautern über. Im Spitalvermögen war unter anderem der Stiftsgarten, das Gelände des heutigen Stiftsplatzes, enthalten. Im Jahr 1842 ließ die Stadt alte Spitalgebäude und eine städtische Badestube abreißen. Die tiefer liegenden Stiftsgärten mussten aufgefüllt werden, um einen Marktplatz zu schaffen, den Neuen Markt, der dann ab 1849 Stiftsplatz hieß. Der Wochenmarkt wird seit 1850 auf dem Platz abgehalten.

Die Möglichkeit, eine Markthalle auf den Stiftsplatz zu bauen, stand von 1869 bis 1924 auf den Tagesordnungen des Stadtrats. Es gab immer wieder Differenzen über den Standort der Halle. Sollte sie mitten auf dem Platz stehen, rechts oder links, auf der Südseite oder auf der Nordseite? Julius Gravius, ein in Zürich lebender ehemaliger Kaiserslauterer Bürger, hatte Ende der 1860er Jahre die Absicht, für den Bau einer Markthalle in seiner Heimatstadt 600.000 Mark zu spenden. Das war der Ausgangspunkt der Streitereien. Die Spende wurde schließlich zum Bau des Graviusheims und des Ausstellungsparks an der Enterweilerstraße verwendet. Das war das endgültige Aus für die Markthalle.

Neuen Diskussionsstoff gab es um 1916, als die Straßenbahn gebaut wurde. Die Gesellschaft legte sich auf die Eisenbahnspur mit 1435 Millimetern Breite fest, nicht auf die schmälere Spur mit 100 Millimetern wie in anderen Städten. Die Lauterer Träumer wollten mit Eisenbahn-Güterwagen (!) vom Westbahnhof aus den Markt auf dem Stiftsplatz bedienen. Das ging glatt daneben, ebenso wie die in den 1980er Jahren angedachte Citybahn vom Westbahnhof zum Rathaus.

Als Versammlungsort hat der Stiftsplatz eine reiche Geschichte. Am 17. und 18. Juli 1917 versammelten sich beispielsweise Arbeiterinnen, Frauen von Soldaten zu einer Hungerdemonstration auf dem Stiftsplatz. Polizei und Militär hätten die Ordnung wieder hergestellt, stand danach in den Zeitungen. Ab 1933 kamen die Jahre, in denen die genagelten Stiefel auf das Granitpflaster hämmerten und Lautsprecher über den Platz kreischten. Und am Ende kam alles ganz anders: Am 3. Juni 1992 holten die Franzosen auf dem Stiftsplatz symbolisch die Trikolore ein und wurden nach 47 Jahren als Freunde verabschiedet.

Schon kurz nach dem Zweiten Weltkrieg veranstaltete die Stadt die Kerwe für ein paar Jahre wieder auf den Stiftsplatz, wo sie im 19. Jahrhundert schon einmal war. Die Bankenkulisse ist seit über 100 Jahren ein stabiler städtebaulicher Faktor. Die Stadtsparkasse und die Volksbank mit ihren historisch-neuzeitlichen Fassaden und das modernere Gebäude der Deutschen Bank halten den Stiftsplatz in Schach. Theodor Zink erwähnt die Königliche Filialbank, die Pfälzische Bank, die Rheinische Kreditbank und das Bankhaus Böcking, Karcher & Co. (heute Deutsche Bank). Der Stiftsplatz ist Bankenviertel. Im Krieg blieb die Platzkulisse weitgehend verschont. Schmerzlich war nur der Anblick der zerbombten Stiftskirche.

Die Nordseite und die Südseite des Platzes waren die Problemzonen. Das Karlsberggebäude auf der Südseite und die Spittelmühle auf der Nordseite sind Spitzhacke und Bagger zum Opfer gefallen. Die Stadt verkaufte den Karlsberg an Wertheim für 3,5 Millionen Mark. Im Sommer 1960 begann der Abriss. Die Spittelmühle wurde schon im April 1951 abgerissen. Dann kam 1954 der Gedanke auf, ein neues Rathaus auf die Südseite zu stellen. Diese Idee übertraf noch den Einfallsreichtum der 1920er Jahre, als man erwog, das 23er-Denkmal mitten auf den Platz zu stellen.

Eine Tankstelle und eine Tiefgarage waren das nächste Intermezzo in den 1960er Jahren. Dann wurde ein Reisebüro-Pavillon mit integriertem Milchpilz gebaut, anschließend ein frei stehender Milchpilz im Fliegenpilzlook. Der Pavillon, ein Denkmalverschnitt der 1950er Jahre, wurde mit einer Baggerattacke über Nacht zerkrümelt. Mitte der 1980er Jahre kam wieder eine Stiftsplatzdiskussion wegen des Garagenbaus in Gang.

Zitate aus der RHEINPFALZ und der Pfälzischen Volkszeitung, die sich mit der Platzgestaltung und den Tiefgaragen befassen, belegen den ehemaligen Stiftsplatz-Dauerbrenner: „Es fehlt die Nordwand. Der Platz läuft weg und lässt den Blick abgleiten in den verwirrenden Verkehr der Ost-West-Achse.” „Die Zaungäste der baulichen Tragödie, die sich zur Zeit am Stiftsplatz vollzieht, sind meist ältere Leute.” „Heute Nachmittag um 14 Uhr veranstalten die Markthändler eine Protestkundgebung...” „Das Projekt wurde durch erhebliches Grundwasser etwas verzögert...” „Die Tiefgarage, ein Kuckucksei im Stadtzentrum?” Und Leserbriefe voller politischem Spott gab es auch: „Der Stiftsplatz soll eine neuartige Bepflanzung erhalten. Auf der einen Seite sollen Rotrüben angepflanzt werden, und auf der anderen sollen Schwarzwurzeln die Passanten erfreuen...”
 

Am 10. Dezember 1908 hat Eduard Meyer in dem Saal des Restaurants Weiße Laterne

Bild214in der Eisenbahnstraße 1a einen Central-Kinematographen eröffnet. Das ist die heutige Ecke Eisenbahnstraße/Osterstraße. Auf den Plakaten wurde das Kino als „Theater lebender, singender, sprechender und tanzender Photographien” angekündigt. Zur Eröffnung lief im Central-Kinematographen in der Weißen Laterne „Affaire im Selecthotel”. Das Foto aus Privatbesitz wurde 1908 gemacht. Wer sich damals mit Kino beschäftigte, lief Gefahr, als Jahrmarktsgaukler bezeichnet zu werden. Bei der Eröffnung soll kein Vertreter der Öffentlichkeit anwesend gewesen sein, wie aus der Geschichte der heutigen Central City Cinemas hervorgeht. Das städtische Steueramt sei jedoch erschienen und habe eine Mark Vergnügungssteuer pro Tag kassiert. Durch fortschreitende technische Entwicklung kam das Bedürfnis auf, den Kinobesuch nicht nur auf die Zeit der Jahrmärkte zu beschränken. Nachdem „stehende Bilder” uninteressant geworden waren, übernahm Josef Hatzmann das Kaiser-Panorama im Hotel Zur Post am Schillerplatz. Dort liefen bis 1912 ähnliche Flimmerfilme wie auf der Kerwe. Hatzmann zog dann mit seinem Kinematographen in die Eisenbahnstraße 1a, in den Saal der Gaststätte Weiße Laterne, um. In diesem Saal mit 200 Sitzplätzen unterhielt Eduard Meyer bereits seit 1908 das Kino. Meyer gab dann den Saal auf, weil er 1913 in sein neues Haus, das Central-Kino in der Osterstraße 2, heute Münchstraße 8, umzog. Das Haus wurde von Eduard Meyer, dem Stammvater der Lauterer Familie „Kino-Meyer”, von 1911 bis 1913 mit 420 Sitzplätzen gebaut. Dieses Haus war der erste Neubau in der Pfalz, der für Filmvorführungen errichtet wurde. Heute betreiben die Central City Cinemas in der Münchstraße fünf Säle mit 546 Plätzen.

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